21. Mai 2008

Chris­tian Brand, der Chef der Baden-Württembergischen L-Bank, warnte in einem Inter­view mit der Stutt­garter Zeitung aus­drück­lich vor den Kre­diten seiner Bank zur Finan­zie­rung des Stu­diums. Er könne „nur jedem Stu­denten raten, dass er, wenn irgend möglich, kein Dar­lehen in Anspruch nimmt”.

Die Kredite waren bei der Ein­füh­rung der Stu­di­en­ge­bühren zur Siche­rung der Sozi­al­ver­träg­lich­keit beschlossen worden. Zuerst war dabei die Rede von „zins­güns­tigen Dar­lehen”, später von „Dar­lehen zu markt­üb­li­chen Zinsen”. Dass der Zins­satz seit Mai mit Sub­ven­tionen des Landes um 2,1% gesenkt wurde und damit inzwi­schen im bun­des­deut­schen Mit­tel­feld liegt, spiele keine Rolle: „Ob 5,5 oder 7,6 Prozent – beides ist hoch”. Er empfahl, sich zur Finan­zie­rung des Stu­diums in der Ver­wandt­schaft nach Geld­ge­bern umzu­sehen oder sich einen Job zu suchen.

Quellen:
Stutt­garter Zeitung, Süd­west­presse , dpa-Meldung vom 16. Mai 2008.

9. Mai 2008

Am gest­rigen 8. Mai wurde Georg Rudolf, einer der Ver­treter und Ver­tre­te­rinnen der Fachschaften-Vollversammlung aus dem AStA-Vorstand gewählt. Die Grüne Hoch­schul­gruppe stellt nun wie gehabt die Vor­sit­zende, Jusos und I&O die Stell­ver­tre­te­rinnen. Begründet wurde die Abwahl Georgs dadurch, dass es Jusos und Grünen durch die Pro­bleme bei der Zusam­men­ar­beit mit ihm unmög­lich gemacht wurde, hoch­schul­po­li­tisch zu arbeiten. Sie beab­sich­tigen nun, in den ver­blei­benden zwei Monaten dieser Wahl­pe­riode inhalt­liche Kon­zepte aus­zu­ar­beiten und hoch­schul­po­li­ti­sche Pro­jekte durchzuführen.

Die FSVV rea­giert mit Unver­ständnis auf diesen Vorgang, ins­be­son­dere auf die Tat­sache, dass im Vorfeld von Jusos und Grünen keine Ver­suche unter­nommen wurden, die Pro­bleme durch ein Gespräch etwa in der wöchent­li­chen Räte-Sitzung zu klären.

9. Mai 2008

Hier fehlen noch: Die Rede von David, die zweite Hälfte des Abends und der Inhalt von Zierocks Rede.

Am dies­jäh­rigen Tag der Befreiung feierte Kultur des Frie­dens ihr zwan­zig­jäh­riges Bestehen. Zum Auftakt der Abend­ver­an­stal­tung im Fest­saal der Uni­ver­sität wurde dazu vor der neuen Aula eine weiße Rose gepflanzt, zur Erin­ne­rung an Hans und Sophie Scholl, nach denen der ehe­ma­lige Exer­zier­platz der Natio­nal­so­zia­listen inzwi­schen benannt ist.

Die Jubi­lä­ums­ver­an­stal­tunge selbst konnte mit teils illus­tren Gästen auf­warten: Mode­riert wurde sie vom Schau­spieler Martin Lüttge und musi­ka­lisch umrahmt von Kon­stantin Wecker, dem Bloch-Chor und dem Theodorakis-Ensemble. Gruß­worte kamen von Rektor Engler, der die Auf­ar­bei­tung des Natio­nal­so­zia­lismus an der Uni Tübingen lobte und Ober­bür­ger­meister Palmer, der Stolz auf seine Stadt war und sie anderen Städten als Vorbild anbot.

Eli­sa­beth Hart­nagel, die Schwester von Hans uns Sophie Scholl, for­derte in ihrer kurzen Rede die Anwe­senden zu Zivil­cou­rage auf, auch heute, wo man dafür nicht mehr sein Leben ris­kieren müsse. Der Phi­lo­soph Eugen Dre­wer­mann schloss seine Fest­rede mit dem Ver­mächtnis Wolf­gang Bor­cherts, einem viel­fa­chen „sage nein”. Henning Zierock, einer der Gründer der Kultur des Frie­dens, sprach selbst über ??? Er war am Montag noch in unserer Sitzung gewesen, um uns als Ver­tre­tung der Tübinger Stu­die­renden zu einem kurzen Rede­bei­trag ein­zu­laden. Wir nahmen die Ein­la­dung gern an. Hier der voll­stän­dige Text:

8. Mai 2008

Gestern Abend sprach Peter Fran­ken­berg, Wis­sen­schafts­mi­nister unseres Landes, über „Wissen und Werte als Fun­da­ment einer Gesell­schaft“. Der Vortrag wurde orga­ni­siert von der AV Che­ruskia, die mit beson­derem Stolz her­vorhob, dass ihr Bun­des­bruder Erwin Teufel Fran­ken­berg zum Minister machte.

Um seine Aus­sagen kurz zusam­men­zu­fassen: Die 68er wollten die Werte abschaffen, aber jetzt ent­de­cken junge Men­schen die Werte (wie Familie) wieder. Ableh­nung von grüner Gen­technik ist irra­tional. Die Kli­ma­de­batte muss als Debatte der Ver­ant­wor­tung des Nordens (Ver­ur­sa­cher) für den Süden (Opfer) geführt werden. Wir brau­chen mehr Atom­kraft­werke, um das Klima zu retten. Die Gehälter von Wirt­schafts­füh­rern werden demo­kra­tisch bestimmt und dürfen deshalb nicht kri­ti­siert werden. Die Debatte über einen gerechten Lohn ist falsch, da zuerst der Begriff der Gerech­tig­keit klar defi­niert werden müsse. Die Men­schen sind heut­zu­tage ver­un­si­chert, die Familie soll ihnen Halt bieten. Wer­te­ver­mitt­lung soll in der Familie statt­finden, an der Schule sollen die Leh­re­rinnen auch wieder Erzie­he­rinnen werden, vor allem die Hoch­schulen sollen Werte ver­mit­teln. Hier seien Bur­schen­schaften beson­ders wichtig, da sie Stu­die­renden eine Heimat gäben. Weiter  erklärte der Minister, dass Wer­te­ver­mitt­lung auch über Märkte funk­tio­niere,  da ein Markt ja auch auf Werten beruhe. Warum das Bil­dungs­ziel im Lan­des­hoch­schul­ge­setz zum Aus­bil­dungs­ziel wurde, wollte er nicht sagen. Um eine breite Bildung zu erlangen, soll man auch in andere Fächer rein­schnup­pern; dem stehen weder die Umstruk­tu­rie­rungen durch den Bachelor „und schon gar nicht Stu­di­en­ge­bühren” ent­gegen. Der Vorteil des Bache­lors gegen­über dem Fach­hoch­schul­ab­schluss sei die Aus­lands­er­fah­rung der Absol­venten. Fran­ken­berg schloss mit dem Fazit: So wie die Erde immer in Bewe­gung bleiben müsse, sich immer ver­än­dern müsse, um das Leben zu erhalten, so müsse auch die Uni in Bewe­gung bleiben. „Eine Uni, die Ruhe hätte, würde einschlafen”.

Der  Vortrag war etwas ziellos. Wer eine Analyse erwartet hatte, inwie­fern Wissen und Werte das Fun­da­ment einer Gesell­schaft dar­stellen und wie zum Bei­spiel die Ver­mitt­lung von Wissen und Werten an den Uni­ver­si­täten geschehen sollte, um das Fun­da­ment der Gesell­schaft zu sta­bi­li­sieren oder so, wurde enttäuscht.

Nach­be­mer­kung:
Unter­dessen waren zehn weitere Zuhö­re­rInnen in den Saal gekommen, begleitet von zwei Poli­zisten, die mit ihrem Funk­ver­kehr die Ver­an­stal­tung doch erheb­lich störten. Als nach der Ver­an­stal­tung dann zum Sekt­emp­fang im kleinen Senat ein­ge­laden wurde, zeigte es sich, dass es ins­ge­samt zehn Uni­for­mierte waren, die alle Nicht-Korporierten daran hin­derten, in den kleinen Senat zu gehen. Was blieb uns übrig, als vor dem kleinen Senat zu bleiben und uns dort mit den Ver­an­stal­tern, dem Rektor und anderen Besu­chern zu unter­halten? Der Minister blieb unter den Farb­en­trä­gern. Selbst als sich nur noch drei Stu­die­rende außer­halb des kleinen Senats mit Ange­stellten des Rek­to­rats unter­hielten, standen immer noch sechs Poli­zis­tInnen um uns herum. Die Frage „Warum?” wurde mit einem „Damit nichts pas­siert” beant­wortet und dem Nach­satz, „Wenn wir nicht hier wären, wäre schon längst was pas­siert.” Wir fanden es ziem­lich unver­schämt, mit dieser Begrün­dung wie Schwer­ver­bre­cher bewacht zu werden und sind der Meinung, dass eine solche Behand­lung sich nicht mit den Prin­zi­pien eines demo­kra­ti­schen Rechts­staats ver­ein­baren lässt.