Posted on Mai 8, 2008 in Uncategorized

Gestern Abend sprach Peter Fran­ken­berg, Wis­sen­schafts­mi­nister unseres Landes, über „Wissen und Werte als Fun­da­ment einer Gesell­schaft“. Der Vortrag wurde orga­ni­siert von der AV Che­ruskia, die mit beson­derem Stolz her­vorhob, dass ihr Bun­des­bruder Erwin Teufel Fran­ken­berg zum Minister machte.

Um seine Aus­sagen kurz zusam­men­zu­fassen: Die 68er wollten die Werte abschaffen, aber jetzt ent­de­cken junge Men­schen die Werte (wie Familie) wieder. Ableh­nung von grüner Gen­technik ist irra­tional. Die Kli­ma­de­batte muss als Debatte der Ver­ant­wor­tung des Nordens (Ver­ur­sa­cher) für den Süden (Opfer) geführt werden. Wir brau­chen mehr Atom­kraft­werke, um das Klima zu retten. Die Gehälter von Wirt­schafts­füh­rern werden demo­kra­tisch bestimmt und dürfen deshalb nicht kri­ti­siert werden. Die Debatte über einen gerechten Lohn ist falsch, da zuerst der Begriff der Gerech­tig­keit klar defi­niert werden müsse. Die Men­schen sind heut­zu­tage ver­un­si­chert, die Familie soll ihnen Halt bieten. Wer­te­ver­mitt­lung soll in der Familie statt­finden, an der Schule sollen die Leh­re­rinnen auch wieder Erzie­he­rinnen werden, vor allem die Hoch­schulen sollen Werte ver­mit­teln. Hier seien Bur­schen­schaften beson­ders wichtig, da sie Stu­die­renden eine Heimat gäben. Weiter  erklärte der Minister, dass Wer­te­ver­mitt­lung auch über Märkte funk­tio­niere,  da ein Markt ja auch auf Werten beruhe. Warum das Bil­dungs­ziel im Lan­des­hoch­schul­ge­setz zum Aus­bil­dungs­ziel wurde, wollte er nicht sagen. Um eine breite Bildung zu erlangen, soll man auch in andere Fächer rein­schnup­pern; dem stehen weder die Umstruk­tu­rie­rungen durch den Bachelor „und schon gar nicht Stu­di­en­ge­bühren” ent­gegen. Der Vorteil des Bache­lors gegen­über dem Fach­hoch­schul­ab­schluss sei die Aus­lands­er­fah­rung der Absol­venten. Fran­ken­berg schloss mit dem Fazit: So wie die Erde immer in Bewe­gung bleiben müsse, sich immer ver­än­dern müsse, um das Leben zu erhalten, so müsse auch die Uni in Bewe­gung bleiben. „Eine Uni, die Ruhe hätte, würde einschlafen”.

Der  Vortrag war etwas ziellos. Wer eine Analyse erwartet hatte, inwie­fern Wissen und Werte das Fun­da­ment einer Gesell­schaft dar­stellen und wie zum Bei­spiel die Ver­mitt­lung von Wissen und Werten an den Uni­ver­si­täten geschehen sollte, um das Fun­da­ment der Gesell­schaft zu sta­bi­li­sieren oder so, wurde enttäuscht.

Nach­be­mer­kung:
Unter­dessen waren zehn weitere Zuhö­re­rInnen in den Saal gekommen, begleitet von zwei Poli­zisten, die mit ihrem Funk­ver­kehr die Ver­an­stal­tung doch erheb­lich störten. Als nach der Ver­an­stal­tung dann zum Sekt­emp­fang im kleinen Senat ein­ge­laden wurde, zeigte es sich, dass es ins­ge­samt zehn Uni­for­mierte waren, die alle Nicht-Korporierten daran hin­derten, in den kleinen Senat zu gehen. Was blieb uns übrig, als vor dem kleinen Senat zu bleiben und uns dort mit den Ver­an­stal­tern, dem Rektor und anderen Besu­chern zu unter­halten? Der Minister blieb unter den Farb­en­trä­gern. Selbst als sich nur noch drei Stu­die­rende außer­halb des kleinen Senats mit Ange­stellten des Rek­to­rats unter­hielten, standen immer noch sechs Poli­zis­tInnen um uns herum. Die Frage „Warum?” wurde mit einem „Damit nichts pas­siert” beant­wortet und dem Nach­satz, „Wenn wir nicht hier wären, wäre schon längst was pas­siert.” Wir fanden es ziem­lich unver­schämt, mit dieser Begrün­dung wie Schwer­ver­bre­cher bewacht zu werden und sind der Meinung, dass eine solche Behand­lung sich nicht mit den Prin­zi­pien eines demo­kra­ti­schen Rechts­staats ver­ein­baren lässt.

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