25. November 2008

Stu­den­ten­werks­führer Oliver Schill

Das Prinzip der Öffent­lich­keit und das Recht und die Pflicht der Presse, Öffent­lich­keit auch über weitere Stre­cken her­zu­stellen, ist ein wich­tiger Bestand­teil unserer Demo­kratie. Gestern in der öffent­li­chen Ver­tre­ter­ver­samm­lung des Stu­den­ten­werks wurde als erstes die Abschal­tung einer Kamera des Lokal­fern­seh­sen­ders RTF1 erwirkt.

Es folgte der Bericht des Geschäfts­füh­rers, Oliver Schill. Fragen dazu wurden von Sit­zungs­leiter Rexer abge­wiesen, sie seien alle­samt Thema des Ver­wal­tungs­rates, der nächste Woche in nicht­öf­fent­li­cher Sitzung tagt und Ein­sicht in die Akten des Stu­den­ten­werks teil­weise nur per Einst­wei­liger Ver­fü­gung erhält. Vet­tern­wirt­schaft, Ver­let­zung des Brief­ge­heim­nisses, 75000 unnötig ver­schleu­derte Euro – nichts davon wollte Rexer dis­ku­tiert wissen. Außer dem Geschäfts­führer selbst und dem Rektor der Uni Tübingen, Bernd Engler, bekam niemand die Gele­gen­heit, eine Posi­tion zu erläutern.

Als ein Student ansetzte, die Vor­stel­lung einer Unter­neh­mens­phi­lo­so­phie für die fusio­nierten Stu­den­ten­werke ein­zu­for­dern, zu deren Entwurf die Ver­tre­ter­ver­samm­lung Schill in ihrer letzten Sitzung ver­pflich­tete, erklärte Rexer nur: “Sie haben kein Rede­recht. Schweigen Sie!” und beschloss darauf das Ende der Sitzung. Der Wider­spruch eines Mit­gliedes der Ver­samm­lung wurde mit der Begrün­dung bei­seite gewischt, die anderen Mit­glieder wünschten nicht, diesen Wider­spruch zu hören.

Wir waren fassungslos.

21. November 2008

Die von einer regio­nalen Tages­zei­tung heute erho­benen Vor­würfe gegen den Geschäfts­führer des Stu­den­ten­werkes Tübingen-Hohenheim Oliver Schill, sind aus Sicht der Fach­schaf­ten­voll­ver­samm­lung unge­heu­er­lich. “Sollte sich der Fall so zuge­tragen haben, kann man das nicht auf sich sitzen lassen!”, so Georg Rudolf Mit­glied der Fach­schaf­ten­voll­ver­samm­lung an der Uni­ver­sität Tübingen. Rudolf, der gleich­zeitig auch die Tübinger Stu­die­renden in der Ver­tre­ter­ver­samm­lung des Stu­den­ten­werkes ver­tritt, zeigte sich erschüt­tert von den Vor­würfen gegen die Geschäfts­füh­rung. “Sollten sich die Anschul­di­gungen kon­kre­ti­sieren, so müssen auch per­so­nelle Kon­se­quenzen in Betracht kommen.”

Hin­ter­grund ist ein Artikel in einer regio­nalen Tages­zei­tung, die am Freitag berich­tete, dass gegen Oliver Schill, den Geschäfts­führer des Stu­den­ten­werkes Tübingen-Hohenheim straf­recht­lich ermit­telt würde. Schill soll im Rahmen seiner Tätig­keit ver­trau­liche Post, die an die psy­cho­the­ra­peu­ti­sche Bera­tungs­stelle des Stu­den­ten­werkes adres­siert war, unbe­rech­tigt geöffnet haben. Sollte sich dies bewahr­heiten, so käme eine Straf­bar­keit wegen Ver­stoßes gegen das Brief­ge­heimnis in Betracht. Beson­ders brisant: Der Absender soll Medi­en­be­richten zufolge Mit­glied im Ver­wal­tungsrat und der Emp­fänger Psy­cho­the­ra­peut sein. Gleich­zeitig werden in der Zeitung schwere Anschul­di­gungen wegen ver­fehlter Bau­pro­jekte erhoben, die dem Stu­den­ten­werk einen Schaden von ca. 75.000 € zuge­fügt haben sollen. Auch hier wird eine Mit­ver­ant­wor­tung von Herrn Schill nicht ausgeschlossen.

“Herr Schill wird sich ver­ant­worten müssen und wir werden die Fragen, die sich in diesem Zusam­men­hang stellen am nächsten Montag the­ma­ti­sieren”, so ein wei­terer Ver­treter der Tübinger Stu­die­renden. “Es kann nicht sein, dass sich der Geschäfts­führer inner­halb des Stu­den­ten­werks der­ar­tige gra­vie­rende Fehl­tritte erlaubt und dann ver­säumt, die Ent­schei­dungs­gre­mien darüber zu infor­mieren. Die Infor­ma­tionen im Vorfeld aus der Presse zu erfahren ist so nicht hin­zu­nehmen.” Am Montag findet die öffent­liche Ver­tre­ter­ver­samm­lung der Mit­glied­s­hoch­schulen des Stu­den­ten­werkes Tübingen-Hohenheim statt, zu der auch alle Inter­es­sierten herz­lich will­kommen sind. Die Ver­tre­ter­ver­samm­lung beginnt ab 16 Uhr im Großen Senat der Neuen Aula in Tübingen.

Christin Gum­binger, Fach­schafts­ak­ti­vistin und Enga­gierte in zahl­rei­chen Uni­ver­si­täts­gre­mien gab zu bedenken:” Wenn die Anschul­di­gungen, wie sie erhoben werden, sich bewahr­heiten sollten, so ist eine ver­trau­ens­volle Zusam­men­ar­beit mit dem Geschäfts­führer nur noch schwer denkbar. Hier muss nicht nur der Schaden für das Stu­den­ten­werk im Mit­tel­punkt stehen, sondern auch die Gefahr für den Ruf der Hoch­schul­re­gion Tübingen-Hohenheim.” Die beiden Stu­den­ten­werke Tübingen und Hohen­heim wurde zum 1. Januar 2007 fusio­niert, um so zum einen die Hoch­schul­re­gion besser zu ver­netzten und auch Syn­er­gie­ef­fekte zwi­schen den Part­ner­hoch­schulen besser nutzen zu können. “Jetzt sind die Rek­toren und Ver­wal­tungs­chefs gefor­dert Schaden von der gemein­samen Hoch­schul­re­gion abzu­wenden und den Anschul­di­gungen gegen Herrn Schill gründ­lich nach­zu­gehen.”, so Gum­binger am Rande einer Ver­an­stal­tung. ” Sollten sich die Behaup­tungen kon­kre­ti­sieren, so können wir uns weder eine solche Außen­dar­stel­lung noch einen solchen Geschäfts­führer leisten.”

17. November 2008

Die FSVV, das Hoch­schul­in­for­ma­ti­ons­büro des DGB und die ver.di-Betriebsgruppe an der Uni Tübingen laden am Mitt­woch, den 19. Nov. 2008 um 20 Uhr ins Club­haus zu einem Vortrag von Thorsten Bult­mann ein. Bult­mann ist Geschäfts­führer des Bundes demo­kra­ti­scher Wis­sen­schaft­le­rInnen (BdWi).

Das Rek­torat der Uni­ver­sität Tübingen hat eine Neu­glie­de­rung der Fakul­täten ange­kün­digt. Damit folgt es dem Trend bun­des­weit statt­fin­dender Hoch­schul­re­formen: von der Exzellenz-Initiative über Stu­di­en­ge­bühren bis zum Umbau der Struk­turen wird kräftig umge­baut. Eines der herr­schenden Leit­bilder ist dabei die „unter­neh­me­ri­sche Hoch­schule“ mit völlig neuen Ent­schei­dungs­struk­turen, die sich an Manage­ment­kon­zepten ori­en­tieren. Zum Bei­spiel sollen den Fakul­täten in Zukunft haupt­amt­liche Manager vor­stehen, die auch fach­fremd sein können.

In der Ver­an­stal­tung werden Ten­denzen dieser Umstruk­tu­rie­rungen auf­ge­zeigt und deren Folgen ins­be­son­dere für die demo­kra­ti­sche Betei­li­gung der Gruppen an der Hoch­schule diskutiert.

Am Mitt­woch, 19. November 2008, 20 Uhr im Clubhaus.

10. November 2008


„Stu­di­en­ge­bühren werden nicht mehr dis­ku­tiert sondern bezahlt“, behaup­tete kürz­lich der News­letter der Uni Frei­burg. Weit gefehlt, denn die Unzu­frie­den­heit mit den Stu­di­en­ge­bühren wird immer größer und die Frei­burger Stu­die­renden beschlossen quasi ein­stimmig einen erneuten Boykott der Gebühren zum Som­mer­se­mester 2009. Die Orga­ni­sa­toren sind zuver­sicht­lich: „Für mich ist das ein klares Zeichen, dass die Stu­die­renden kei­nes­falls resi­gniert sind oder gar die Stu­di­en­ge­bühren akzep­tieren. Auch die Erst­se­mester an der Uni sehen die Pro­ble­matik und wollen sich nicht mit ‘gelben Punkten’ abspeisen lassen, sondern ein grund­sätz­li­ches Umdenken.“, so Chris­tian Breher vom UStA Freiburg.

Par­allel zum Boykott wird die Kam­pagne „gebüh­ren­FRei“ gestartet. Sie wendet sie sich gegen Stu­di­en­ge­bühren und die damit ein­her­ge­hende schlei­chende Umstruk­tu­rie­rung des Bil­dungs­sys­tems nach markt­wirt­schaft­li­chen Kri­te­rien. Die Frei­burger Stu­die­renden wissen in ihrer Ableh­nung der Gebühren mit der Gesamt­be­völ­ke­rung Deutsch­lands einig. Wie das ZDF-Politbarometer her­aus­fand, sind fast zwei drittel der Deut­schen gegen Stu­di­en­ge­bühren und weniger als ein drittel dafür. In einer Pres­se­mel­dung weisen die Boy­kot­teure auch auf eine unter Ver­schluss gehal­tene Studie des Bil­dungs­mi­nis­te­riums hin, die bei ihrer Ver­öf­fent­li­chung den Pro­testen neue Nahrung geben dürfte.

4. November 2008

Die Fach­schaf­ten­voll­ver­samm­lung der Uni­ver­sität Tübingen erklärt sich unein­ge­schränkt soli­da­risch mit den ita­lie­ni­schen Pro­testen gegen die Ver­ord­nung 133 der Regie­rung Ber­lus­coni. Schule und Uni­ver­sität sind die wich­tigsten Bil­dungs­ein­rich­tungen unserer Gesell­schaft und wir sehen mit Sorge die Bemü­hungen euro­päi­scher Nach­bar­länder, in diesen Berei­chen Kür­zungen und Pri­va­ti­sie­rungen vor­zu­nehmen. Bildung bedeutet Zukunft, Pri­va­ti­sie­rungen und Kür­zungen im Bil­dungs­be­reich bedeuten Stillstand. Sie sind ein Angriff auf unsere Kultur, unsere Zukunft und unser Recht auf Bildung. Daher soli­da­ri­sieren wir uns mit den Pro­testen der Ita­lie­ni­schen Schüler, Stu­denten, Eltern und Lehrer und richten unser Wort an sie: “bleibt stark, kämpft für euer Recht auf Bildung und bringt dieses Gesetz zu Fall.”

Die Fach­schaf­ten­voll­ver­samm­lung der Uni­ver­sität Tübingen

Zur Situa­tion in Italien

An den Ita­lie­ni­schen Schulen und Uni­ver­si­täten über­schlagen sich momentan die Ereig­nisse. Auf­grund eines Gesetzes der Regie­rung Ber­lus­coni for­mieren sich lan­des­weit Pro­teste gegen die Pri­va­ti­sie­rung der Uni­ver­si­täten. Die Ver­ord­nung 133, welche am 6. August still in den Semes­ter­fe­rien ver­ab­schiedet wurde, sieht vor, die öffent­li­chen Uni­ver­si­täten des Landes in private Orga­ni­sa­tionen zu über­führen. Schritt­weise sollen die staat­li­chen Mittel für die Uni­ver­si­täten bis zum Jahr 2013 um ins­ge­samt um ca. 1,5 Mil­li­arden Euro gekürzt werden. Viele bereits jetzt schlecht finan­zierte Insti­tute und Fakul­täten sind damit von der Schlie­ßung bedroht. Eben­falls von den Kür­zungen betroffen ist das ita­lie­ni­sche Schul­system. Hier sollen 87.000 Leh­rer­stellen sowie 44.500 Stellen im Admi­nis­tra­tiven Schul­be­reich abge­baut werden. Ins­ge­samt belaufen sich die Ein­spa­rungen im Schul­be­reich auf sieben Prozent der jähr­li­chen Aus­gaben. Lan­des­weit breiten sich gerade Pro­teste gegen die Schul­re­form und die Pri­va­ti­sie­rung der Uni­ver­si­täten der Unter­richts­mi­nis­terin Gelmini aus. Die Reform ori­en­tiert sich bei der Pri­va­ti­sie­rung der Uni­ver­si­täten an einem Gesetz der fran­zö­si­schen Regie­rung unter Sarkozy. In Rom, Mailand, Napoli, Palermo, Genua, Florenz und vielen wei­teren Städten breiten sich Mas­sen­pro­teste aus. In den ver­gan­genen beiden Wochen wurden an Zahl­rei­chen Uni­ver­si­täten Fakul­täten sowie hun­derte Schulen besetzt, die öffent­li­chen Ver­kehrs­mittel und Teile des Bil­dungs­sek­tors bestreikt sowie zahl­reiche Demons­tra­tionen durch­ge­führt. Für den ange­kün­digten “heissen Herbst” sind weitere Pro­teste vor­ge­sehen: am 27 Oktober eine Demons­tra­tion gegen die Schul­re­form, am 30 Oktober Gene­ral­streik und Groß­de­mons­tra­tion gegen die Pri­va­ti­sie­rung der Uni­ver­si­täten sowie ein Schul­streik für den 14. November.