Posted on November 23, 2009 in Hochschulpolitik

Bildung braucht Geld. Die GEW sieht einen Bedarf von 40 Mrd. € pro Jahr (zusätz­lich zu den aktu­ellen Aus­gaben), eine Arbeits­gruppe mit Ver­tre­tern der Länder und des Kanz­ler­amtes kam auf von 26 Mrd (eben­falls zusätz­lich), und selbst der Koali­ti­ons­ver­trag von CDU/CSU und FDP sieht 3 Mrd € pro Jahr vor. Natür­lich unter „Finan­zie­rungs­vor­be­halt“, aber immerhin zusätzlich.

Im glei­chen Koali­ti­ons­ver­trag heißt es auch: „Bildung ist der ent­schei­dende Zukunfts­faktor für unser Land, aber auch für die Chancen jedes ein­zelnen Men­schen.“ Was das wert ist, wurde deut­lich, als die Finanz­mi­nis­ter­kon­fe­renz der Länder pünkt­lich zu den Koali­ti­ons­ver­hand­lungen Mitte Oktober eine Vorlage ver­öf­fent­lichte. Wie der Spiegel berichtet, rechnet die Finanz­mi­nis­ter­kon­fe­renz nun vor, dass das Vor­haben des letzt­jäh­rigen Bil­dungs­gip­fels, 10 % des Brut­to­in­lands­pro­dukts für Bildung auf­wenden zu wollen, schon längst über­er­füllt sei!

Einer­seits macht zwar die Wirt­schafts­krise das BIP kleiner. Aber hier kann man auch was über krea­tive Buch­füh­rung lernen: Die Fort­zah­lung von Kin­der­geld, Steu­er­vor­teile wie die Aus­bil­dungs­frei­be­träge bei der Ein­kom­mens­steuer oder die Absetz­bar­keit von Fir­men­for­schung, der ermä­ßigte Umsatz­steu­er­satz auf Bücher usw: Alles Inves­ti­tionen in Bildung. Genauso wie Pen­sionen von Lehrern und Pro­fes­soren. Oder zur Ver­fü­gung gestellte Gebäude und Grund­stücke. Alles Bildung in Deutsch­land, der berühmte inter­na­tio­nale Ver­gleich spottet da jeder Beschrei­bung. Das ist deut­sches Alleinstellungsmerkmal.

Von den schönen, dif­fusen Rosa-Wolken-Worten im Koali­ti­ons­ver­trag haben wir nicht viel. Der Blick in die Zukunft der Bil­dungs­fi­nan­zie­rung ist düster. Schon in der Ver­gan­gen­heit wurde hier massiv gespart oder mit Stu­di­en­ge­bühren umfi­nan­ziert. Die Folge davon sind ein massiv unter­fi­nan­ziertes Bil­dungs­system mit allen bekannten Kon­se­quenzen: ein gigan­ti­scher Sanierungs- bzw. Baustau, großer Mangel an Lehr­per­sonal an Hoch­schulen und Schulden. Ob die Regie­rungen von Bund und Ländern diese Miss­stände beheben, bleibt abzu­warten. Uns Stu­die­renden bleibt nur zu hoffen, dass Bil­dungs­po­litik in Zukunft nicht mehr vom Finanz­mi­nis­tern gemacht wird. Oder zumin­dest von Bildungspolitikern.

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