Posted on November 20, 2009 in Bildungsstreik
Kundgebung vor der neuen Aula

Kund­ge­bung vor der neuen Aula

Der bun­des­weite Aktonstag des Bil­dungs­streiks fand natür­lich auch in Tübingen statt und stand natür­lich vor allem im Zeichen der Kupferbau-Besetzung.– Die Schüler kamen fast etwas zu kurz.

Die Aktionen begannen mit einer Kund­ge­bung vor der Neuen Aula, mit Reden eines Stu­denten und einer Schü­lerin und Soli­da­ri­täts­be­kun­dungen des Deut­schen Gewerk­schafts­bundes und anderen. Fabian Ever­ding wies für die Orga­ni­sa­to­rInnen des Bil­dungs­streiks in Tübingen vor allem auf die Situa­tion an den Hoch­schulen hin und ver­deut­lichte, warum es sich auch für Tübinger Stu­die­rende lohnt sich an den vielen aktuell lau­fenden Aktionen zu betei­ligen. Danach wandte sich eine Ver­tre­terin der Schü­le­rInnen an die Zuhörer und pran­gerte die Situa­tion an den deut­schen Schulen an. Nicht erst seit dem Gym­na­sium in 8 Jahren (sog. “G8″) sei die Lage dra­ma­tisch schlechter geworden, auch die chro­ni­sche Unter­fi­nan­zie­rung der Schulen und die man­gelnde Aus­stat­tung machen den Schulen zu schaffen. Tobias Kaphegyi sprach für den DGB ein Gruß­wort und ermahnte dazu den Protest nicht ledig­lich auf den Bil­dungs­be­reich zu beschränken. In den Schulen und Uni­ver­si­täten werden seiner Meinung nach nur die Pro­bleme der Gesamt­ge­sell­schaft am deut­lichsten.
Pro­fessor Otto Rössler sprach im Namen der Pro­fes­so­ren­schaft ein Gruß­wort und bat die Stu­die­renden auch darum als wis­sen­schaft­li­cher Nach­wuchs Ver­ant­wor­tung für die For­schung und deren Folgen zu über­nehmen und sich für eine kri­ti­sche Wis­sen­schaft stark zu machen.

Gekommen waren fast 1500 Zuhörer. Nach der Kund­ge­bung gings Rich­tung Kup­ferbau, wo sym­bo­li­sche Bil­dungs­schranken die Anwe­senden zwangen, auf der Kreu­zung Hölderlin-/Gmelinstraße sit­zen­zu­bleiben – was auch den KFZ-Verkehr blo­ckierte. Doch als man sich gemeinsam ent­schlossen hatte, diese Schranken ein­zu­reißen, kamen alle wieder voran.

Bildungsschranken zwangen die Bildungsstreiker, sitzenzubleiben

Bil­dungs­schranken zwangen die Bil­dungs­streiker, sitzenzubleiben

Doch in Stein gemeißelt sind die nicht, …

Doch in Stein gemei­ßelt sind die nicht, …

… man muss es nur gemeinsam versuchen.

… man muss es nur gemeinsam versuchen.

Das wars erstmal. Zurück in den Kup­ferbau, wo aller­dings die Hörsäle besetzt (also: regulär belegt) waren. Gemäß Ple­nums­be­schluss vom Vortag wurden diese Ver­an­stal­tungen nicht gestört, also was tun? Auf einmal hieß es: Zum Rek­torat! Und was sich daran anschloß, hat es in Tübingen lange nicht gegeben. Etwa 1000 Demons­trie­rende kamen vors Rek­torat (wo die Lichter schon aus waren), weiter vor die Neue Aula, diesmal weiter auf die Wil­helm­straße, kurz hin­setzen, Rich­tung Alt­stadt, auf den Markt­platz. Warum eigent­lich gehen so viele Men­schen auf den Platz, ohne dass er sich füllt? Die Antwort kam, als plötz­lich die Rat­haustür zuging, sich Poli­zisten davor­stellten und Stu­die­rende aus den Fens­tern des großen Saals schauten. Ammer­gasse, Stadt­graben, zurück über die Wil­helm­straße zur Neuen Aula. Die Bilder spre­chen für sich.

aktionstag5

Spon­taner Besuch beim Rektorat …

… und weiter in die Stadt …

… und weiter in die Stadt …

… ins Rathaus.

… ins Rathaus!

Dann weiter zum Stadtgraben.

Dann weiter zum Stadtgraben.

Und schließlich wieder zurück vor die Neue Aula

Und schließ­lich wieder zurück vor die Neue Aula

Am Abend rich­tete Gesine Schwan, zwei­fache Bun­des­prä­si­dent­schafts­kan­di­datin der SPD, ein Gruß­wort an die Stu­die­renden. Ähnlich wie der Spre­cher des DGB am Nach­mittag warnte auch sie davor, die Pro­bleme nur als Organisations- und Rege­lungs­pro­bleme zu betrachten:

Ich möchte Sie ermu­tigen, die noch viel tiefer gehenden poli­ti­schen Fehl­ent­wick­lungen der letzten Jahre anzugucken.

Ich glaube, dass die Unter­ord­nung der ver­schie­denen Gesell­schaft­li­chen
Bereiche, ins­be­son­dere eben auch von Bildung und Wis­sen­schaft, aber auch zum
Teil von Politik unter ökono­mi­sche Ren­ta­bi­li­täts­ge­sichts­punkte ein zen­traler
Fehler war.

Die Pro­bleme seien als sys­te­misch zu betrachten:

Die völlige Ver­ab­so­lu­tie­rung des Wett­be­werbs­prin­zips, … die Über­tra­gung in
alle anderen Bereiche hat in meiner Sicht zum Bei­spiel in Bildung und
Wis­sen­schaft einer­seits zu Geist­lo­sig­keit uns ande­rer­seits auch zu Angst
geführt.

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