Im Jahr 2007 wurden in Baden-Württemberg, wie auch in anderen Bundesländern, allgemeine Studiengebühren eingeführt, und in der inhaltlichen Auseinandersetzung mit den Gebühren kam der AK Studiengebühren neben sozialpolitischen Argumenten und der – wie sich zeigte nur zu gut begründeten – Befürchtung, die zusätzlichen Einnahmen durch Studiengebühren würden bald an anderer Stelle aus der Lehre abgezogen, immer mehr auch zu grundsätzlicheren bildungspolitischen Überlegungen.

Während Bildung nach unserem Empfinden in der öffentlichen Debatte immer mehr synonym mit beruflicher Aus- und Weiterbildung oder simplem Wissenserwerb benutzt wird und so mehr in einen wirtschafts- als (gesamt)gesellschaftspolitischen Zusammenhang gestellt wird, kam uns die eigentlich recht banale Erkenntnis, dass hinter Bildungskonzepten und -idealen immer ein bestimmtes Gesellschaftsbild steht. Denn auch 500€ Studiengebühren sind nicht nur weniger Geld hier und mehr Geld da, sondern ein einschneidender Eingriff ins Bildungssystem, so dass man sich fragen muss, welches Bildungsideal, welches Gesellschaftsbild hinter einer solchen Position stehen kann &nadsh; was dann wieder zu der Frage führt, ob das eine Gesellschaft ist, in der wir leben wollen.

Das Ract!-Festival in Tübingen und Berlin08 in (ja, tatsächlich:) Berlin boten dann die Plattform für Workshops zu diesem Thema. Beide Festivals wollen durch die Verbindung von Konzerten, Kunst und politischen Workshops Jugendliche anregen, den Umgang mit politischen Themen als selbstverständlichen und wichtigen Teil des eigenen Lebens zu sehen. Mit unserem Workshop träumen wir davon, über eine Art Begriffsklärung die Teilnehmer ein wenig zum Denken zu bringen, zum Nachdenken. „Wenn bei euch an der Schule“, so wollten wir fragen, „in Zukunft jemand ein Projektfach einführt, wenn ihr Forderungen nach mehr Ganztagesschulen hört oder euch jemand erklärt, Studiengebühren seien nötig zur Finanzierung der Hochschulen, dann denkt mal an heute. Denkt daran, dass hinter einer Konzeption des Bildungssysstems immer viel meht steht, dass hinter Lehrplänen, Zugangsmodalitäten und so weiter immer ein Gesellschaftsbild steht. Und überlegt euch ruhig mal, ob ihr so leben wollt oder nicht.“

Zurück zur Übersicht