Hiwis, das sind die wissenschaftlichen Hilfskräfte und studentischen Beschäftigten an der Uni Tübingen. Ohne sie würde an dieser Uni nichts mehr funktionieren, sie sind unentbehrlich geworden. Ob in der Lehre als Tutoren und Praktikumsbetreuer, in den Bibliotheken als Aufsicht oder in der Verwaltung zur Sekretariatsunterstützung, im ZDV als Berater oder allgemein als Administratoren und Sevicekräfte. Hiwis sind flexible, günstige und oft motivierte Arbeitskräfte, die den „normalen“ Beschäftigten außer in ihren kürzeren Arbeitszeiten in nichts nachstehen.

Schlechterstellung der Hiwis gegenüber anderen Beschäftigten

Für Hiwis gibt es jedoch keine festen Stellen. Es liegt im Ermessen des jeweiligen Professors, die den einzelnen Lehrstühlen pauschal zugewiesenen Hiwi-Gelder entsprechend zu verteilen. Die Hiwi-Verträge sind nach der Stundenzahl pro Monat oder der Dauer der Beschäftigung höchst unterschiedlich ausgestaltet. Neben variierenden Laufzeiten und Stundenumfänge unterscheiden sich mittlerweile auch die Vertragsverhältnisse zwischen wissenschaftlichen Hilfskräften, die im Bereich der Forschung und Lehre arbeiten, und Studierenden, die als sogenannte studentische Beschäftigte in Bibliotheken und der Verwaltung angestellt sind.

Die wissenschaftlichen Hilfskräfte sind mit über 1600 Personen eindeutig die größte Gruppe der universitären Mitarbeiter. Eine homogene, eigenständige Gruppe bilden sie jedoch nicht. Das liegt zum einen daran, dass ihre Aufgaben und Betätigungsfelder in hohem Maße unterschiedlich sind. Zum anderen haben sie keine eigene Interessenvertretung, die tarifliche Verträge für sie aushandelt und deren Einhaltung überwacht. Die Hiwis stellen an der Universität aber auch ein wichtiges Bindeglied zwischen Beschäftigten, Lehrenden und Studierenden dar. Einigen Gruppen an der Universität ist das sehr bewusst und sie sind bereit, sich für die Rechte und Interessen der Hiwis einzusetzen. Insbesondere der Personalrat und die FSRVV engagieren sich für die Interessen der wissenschaftlichen Hilfskräfte. Ein ständiges Thema sind hierbei die seit 1993 eingefrorenen Vergütungssätze und fehlende tarifliche Regelungen.

Für Hiwis gelten zwar die gleichen arbeitsrechtlichen Pflichten, bezüglich ihrer Rechte sind sie jedoch den „normalen Beschäftigten“ nicht gleichgestellt. So werden zum Beispiel ungeprüfte wissenschaftliche Hilfskräfte pauschal mit 8,05 Euro pro Stunde entlohnt, geprüfte wissenschaftliche Hilfskräfte erhalten gut 2 Euro mehr. Dennoch sind beide Löhne weit unter dem Tariflohn, der diesen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zustehen würde. Darüber hinaus haben sie weniger Urlaub und erhalten kein Urlaubsgeld. Anspruch auf Arbeitslosengeld sowie Übergangsgeld nach Ausscheiden haben sie ebenfalls nicht.

Hiwis sind von den jährlichen Tariferhöhungen ausgenommen. Die letzte Erhöhung der Stundenvergütung erfolgte 1993. Es gab in den letzten Jahren immer wieder Initiativen von gewerkschaftlich orientierten Hiwis, einen Tarifvertrag in Baden-Württemberg zu erreichen, der das Zweiklassensystem für Arbeitnehmer an den Universitäten aufbrechen sollte – leider bisher ohne Erfolg.

Teilweise gültiger Tarifvertrag seit 1996

Nachdem sich die wissenschaftlichen Hilfskräfte jahrelang erfolglos um einen eigenen Tarifvertrag bemüht hatten, sorgte im Jahr 1996 ein höchstrichterliches Urteil dafür, dass zumindest ein Teil von ihnen nach dem Bundes-Angestellten-Tarifvertrag bezahlt werden muss.

Was war geschehen? Das oberste Arbeitsgericht unseres Landes hatte der Klage einer studentischen Beschäftigten stattgegeben, die sich ihr Studium finanzierte, indem sie nebenher als Krankenschwester arbeitete. Das Bundesarbeitsgericht bestätigte den Anspruch der Klägerin auf tarifgerechte Behandlung und stellte fest:

„Der Status als Studierende und die in der Versicherungsfreiheit liegende sozialrechtliche Begünstigung sind keine sachlichen Gründe für eine arbeitsrechtliche Schlechterstellung dieser Arbeitnehmer bei der Gestaltung allgemeingültiger Arbeitsbedingungen.“

Die studentische Beschäftigte ist nach Auffassung des Gerichts so zu behandeln, wie alle anderen Teilzeitbeschäftigten der Universität mit gleichem Arbeitszeitvolumen und gleichen Arbeitsinhalten, da – so das BAG – „der arbeitsrechtliche Gleichbehandlungsgrundsatz verletzt“ sei, „wenn der Arbeitgeber einzelne Arbeitnehmer gegenüber anderen Arbeitnehmern in vergleichbarer Lage sachfremd schlechter stellt.

Das Finanzministerium wies daraufhin im November 1996 in einem Rundschreiben die Universitäten an, Konsequenzen aus diesem Urteil zu ziehen. Dies bedeutete: Alle wissenschaftlichen Hilfskräfte, die nicht mit Tätigkeiten betraut sind, die der „Unterstützung des hauptberuflichen wissenschaftlichen Personals […] bei ihren Aufgaben in Forschung und Lehre“ dienen, gehören in den Tarifvertrag der Länder (TVL). Kurz gesagt: Alle Hiwis, die täglich in den Sekretariaten, als Aufsicht und an den Informationsschaltern der Bibliotheken, an den Kopierern und bei den unterschiedlichsten Aushilfstätigkeiten antreffen, sind als ordentliche Beschäftigte gemäß TVL zu behandeln!

In Verhandlungen mit dem Rektorat hat der Personalrat in den vergangenen Jahren durchsetzen können, dass als erster Schritt die Hiwis im Bibliotheksbereich TVL-Arbeitsverträge bekamen. Dieser Erfolg kann aber auch zu der paradoxen Situation führen, dass der Hiwi mit „klassischen‘“ wissenschaftlichen Zuarbeiten weniger verdient als der studentische Beschäftigte im Sekretariat oder in der Bibliothek.

Deshalb lautet unsere Forderung: Ein Tarifvertrag für alle Hiwis! Dass das möglich ist, zeigt sich am Beispiel Berlin, dort existiert seit 1979 eine eigenständiger Tarifvertrag für die Hiwis.

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