Das Logo der Fachschaftsräte-VV zeigt eine Faust in einem Kreis, um den herum Ernst-Bloch-Universität steht. Das Symbol der Faust geht auf ein Grußwort Ernst Blochs zurück, dass er am 28.10.1976 als 91-jähriger über einen Videomittschnitt an die Teilnehmer einer Kundgebung gegen die so genannten Ersatzgelder (eine Art Studiengebühren) richtete. Er sagte dort unter anderem:

Es gibt heute Dinge, über die man als redlicher Mensch nicht zweierlei Meinung sein kann, und denen muss in einfachen Worten, sehr komprimierten und nicht unperspektivreichen, sondern im Gegenteil, reich und mit Perspektiven sich verbindenden, entgegengetreten werden und ins Bewusstsein gebracht und in die Hand und die geballte Faust, die hier das zuständige und zulässige Instrument ist; außer dem Begriff der bei der Sache sein muss, wie es sich von selbst versteht.

Deswegen steht die für den Widerstand gegen die Vereinnahmung durch die bestehenden Herrschaftsverhältnisse und für die Gestaltung einer Zukunft in selbstbestimmten, demokratischeren Strukturen.

Ernst Bloch war unter den Studierenden durch solch aktive Solidarität mit den Protestierenden sehr wichtig und beliebt geworden. Seine Biographie bezeugte einen aufrechten Gang durch die verschiedensten politischen Systeme. Er war der einzige Tübinger Professor, der sich in dieser Zeit mit den Studierenden solidarisierte. Sowohl bei Ernst Bloch als auch bei der Tübinger Studierendenbewegung bestand und besteht immer noch eine realistische Einschätzung der politischen Machtverhältnisse in Deutschland, woraus auch der zivile Widerstand gegen das Bestehende und nicht nur das konstruktive Arbeiten an konkreten Utopien und politischen Alternativen eine wichtige Rolle in der alltäglichen Arbeit spielt und zusammengehört. Es bedarf des Protestes und der utopischen Alternative.

Banner der FSRVV vor dem Clubhaus

Banner der FSRVV vor dem Clubhaus

Darüber hinaus war die Bloch’sche Philosophie und deren Inhalte für die Tübinger Studierendenbewegung hochinteressant. Auf der einen Seite war da der Rückbezug auf die Marx’sche Analyse und die politisch-sozialistische Diskussion. Auf der anderen Seite steht die Bloch’sche Abwendung von einer reinen Konzentration auf das Wertgesetz und die der ausschließlichen Debatte über politische Ökonomie. Bloch bringt etwas in die Diskussion ein, das für die Studierendenbewegung als der subjektive Faktor große Bedeutung erlangt. Der subjektive Faktor wurde von den Studierenden in folgender Weise interpretiert: Es gibt keine externen Gesetze, nach denen die Weltgeschichte verläuft, sondern der Mensch kann sie gestalten – wenn er es will. Diese Sicht und Haltung scheint heute, angesichts der Globalisierungs- und Terrorismusdebatte, noch aktueller geworden zu sein: Sachzwänge sind eben auch menschengemacht.

Ernst-Bloch-Universität

Ein dritter Grund, warum sich der AStA und – nach dessen Entmachtung – die FSVV für eine Umbenennung der Eberhard-Karls-Universität in Ernst-Bloch-Universität einsetzte und einsetzt, hat mit der unaufgearbeiteten Geschichte der Universität zu tun. Diese steht von ihrer Gründung (Judenpogrom des Eberhard im Barte) über die Traditionen der studentischen Verbindungen (Bücherverbrennungen jüdischer Schriftsteller) über die Rolle der Universität im Nationalsozialismus (z.B. Rassenkunde) bis hin zur Entnazifizierung im Nachkriegsdeutschland (z.B. Diskussion um die Bloch’sche Brut 1977) in einer antisemitischen Tradition. Ernst Bloch stammte jedoch aus einem jüdischen Elternhaus. Karola Bloch war eine polnische Jüdin, deren Familie im KZ ermordet wurde. Die Studierenden wollten mit der Namensgebung auch an diese andere verschollene Kultur, ein anderes Gesicht deutscher Geschichte erinnern: an demokratische und auch widerständige Kulturen, gerade gegen ehemalige Nazis in den führenden Positionen der Gesellschaft im Nachkriegsdeutschland.

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