Ernst Bloch

Das Logo der „Ernst-Bloch-Uni“, eine erhobene linke Faust, um die der Schriftzug Ernst Bloch Universität Tübingen angeordnet ist, ist 1977 entstanden. Nachdem der Philosophie-Professor Ernst Bloch im August 1977 gestorben war, widmete der damalige AStA die Universität Tübingen in „Ernst-Bloch-Universität“ um: Ernst Bloch, damals geistiger Vater der protestierenden Studierenden, schien als Namensgeber der Universität geeigneter als der Gründer der Universität, Graf Eberhard im Barte (der, auch wenn sich Historiker diesbezüglich noch streiten, insbesondere durch seine Judenvertreibung berühmt wurde). Auch die Faust geht auf Ernst Bloch zurück, der bei einer Vorlesung anlässlich der Verleihung seiner Honorarprofessur im Festsaal der Neuen Aula die geballte Faust als Ausdruck seines Widerstands gegen bestehendes Unrecht erhob.

<q>Bildnis Ernst Bloch</q> von André Ficus

Bildnis Ernst Bloch von André Ficus

Nach der Abschaffung der Verfassten Studierendenschaft wurde „die Faust“ zum Logo der Fachschaftsräte-Vollversammlung, die nun faktisch das einzige basisdemokratische Gremium der Studierenden darstellte. Sie steht für eine unabhängige und emanzipatorische studentische Politik und für basisdemokratische Strukturen und Entscheidungsfindung, an der alle Studierenden der Universität aktiv mitwirken können. Diese Faust, die wir nicht als Dogma oder Ideologie verstehen, schlägt nicht, obwohl sie eine Warnung bedeutet: Sie steht als Symbol dafür, dass wir als Studierende nicht alles mit uns geschehen lassen. Sie steht dafür, dass wir uns keinen Maulkorb anlegen lassen: Der AStA durfte sich seit 1977 nur noch mit sportlichen und musischen Angelegenheiten befassen – hochschulpolitisches und politisches Engagement waren der gewählten Studierendenvertretung nicht gestattet. Doch gerade solches politische Engagement hielten und halten die Anhänger der „Ernst-Bloch-Uni“ für essentiell. Bis zur Einführung des Studierendenrats im Dezember 2013 waren alle „politischen“ Aktivitäten mehr oder weniger über die Fachschaften-Vollversammlung organisiert, die im Rahmen ihrer bescheidenen Möglichkeiten das tat, was der AStA nicht durfte.

Inschrift auf Ernst Blochs Grab: „Denken heißt überschreiten.“

Grabinschrift: „Denken heißt überschreiten.“

Die Besinnung auf Ernst Bloch verstehen wir als eine Besinnung auf kritisches, gesellschaftskritisches Denken. Wir legen uns damit nicht auf eine Ideologie fest, sondern denken immer wieder neu. Unsere Überzeugungen und Positionen unterstehen keinem ideologischen Diktat, sondern entsprechen jeweils den Meinungen der Studierenden: Unsere basisdemokratische Entscheidungsfindung und der Verzicht auf hierarchische Strukturen, die eine Errungenschaft und kein Relikt sind, erlauben nichts anderes.

Die Zusammenarbeit der FSRVV mit der Uni-Leitung, aber auch unsere breite Akzeptanz in der studentischen Politik auf Landes- und Bundesebene und vor allem das Vertrauen der Studierendenschaft in unsere Arbeit sind für uns deutliche Zeichen dafür, dass wir trotz unserer vielleicht nicht immer konsensfähigen Positionen und, um es mit Bloch zu sagen, trotz – oder gerade wegen? – unseres trotzigen Trotzdems auf dem richtigen Weg sind.

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