Pressemitteilung: FSVV historisch wieder stärkste Kraft im Studierendenrat – ein klares Zeichen für Basisdemokratie bei den Universitätswahlen

Die Fachschaftenvollversammlung (FSVV) ist bei den diesjährigen Hochschulwahlen als stärkste Liste in den Studierendenrat (StuRa) eingezogen. Mit fünf Sitzen gewinnt die FSVV zwei Mandate hinzu und stellt damit erstmals seit mehren Jahren wieder die stärkste Kraft in der studentischen Interessenvertretung. Besonders deutlich ist der Stimmengewinn: 1392 Stimmen konnte die FSVV neu gewinnen und konnte damit als einzige Liste bei gesunkener Wahlbeteiligung deutlich zulegen. Insgesamt hat die Liste der FSVV 26,6% geholt und damit 9,6 Prozentpunkte mehr als 2025 (17%).

Die FSVV bedankt sich ausdrücklich bei den zahlreichen Fachschaftsaktiven, die diesen Erfolg durch ihr Engagement ermöglicht haben.
„Dieses Ergebnis ist kein Erfolg einzelner Personen, sondern das Ergebnis jahrelanger Arbeit vieler Studierender in den Fachschaften. Sie organisieren Veranstaltungen, beraten Kommilitoninnen und Kommilitonen und setzen sich jeden Tag für bessere Studienbedingungen ein. Ihnen gilt unser besonderer Dank.“ so Emma-Luna von der FSVV.

Bei der StuRa-Wahl entfielen die Sitze wie folgt auf die Listen: FSVV 5 Sitze (+2), Liste gegen Macker (LgM) 4 Sitze (+4), Grüne Hochschulgruppe (GHG) 4 Sitze (-1), Juso-Hochschulgruppe 2 Sitze (unverändert) und Liberale Hochschulgruppe (LHG) 2 Sitze (unverändert). Der SDS (Sozialistischer Deutscher Studentenbund) trat nicht erneut an.

Auch bei den Wahlen zum Senat konnte die FSVV ein starkes Ergebnis erzielen und errang zwei Sitze. Die Liste gegen Macker erhielt einen Sitz, die GHG einen Sitz. Andere Listen konnten keine Mandate gewinnen. Zusammen mit den 5 StuRa-Sitzen entfallen auf die FSVV so viele Sitze wie sei Wiederzulassung der VS nicht mehr. Nur im Initialjahr der VS 2013 konnte die FSVV mit 8 Sitzen noch einen Sitz mehr halten. Ziel ist es jetzt, das Mandat der Studierenden gemeinsam mit anderen Listen im StuRa zu nutzen und die Sorgen und Probleme der Studierenden schnell und effektiv anzugehen..

Sorge bereitet der FSVV jedoch die deutlich gesunkene Wahlbeteiligung. Bei den StuRa-Wahlen lag sie bei lediglich 7,8 Prozent, bei den Senatswahlen bei 8,6 Prozent. Im Vergleich zu den Vorjahren stellt dies einen erheblichen Rückgang dar.

„Demokratie lebt davon, dass Menschen ihre Stimme nutzen. Eine Wahlbeteiligung von unter acht Prozent kann uns nicht zufriedenstellen. Gerade in einer Zeit, in der demokratische Mitbestimmung unter Druck gerät, müssen wir uns fragen, wie wir mehr Studierende für Hochschulpolitik begeistern können. “ so Wahlkämpfer Jeremias der FSVV.

Die FSVV verweist dabei auch auf aktuelle politische Entwicklungen. In Sachsen-Anhalt wird im Vorfeld der Landtagswahl erneut über die Zukunft der Verfassten Studierendenschaften diskutiert. Vertreter der AfD haben wiederholt deren Abschaffung gefordert.
„Wer glaubt, studentische Demokratie sei selbstverständlich, sollte einen Blick nach Sachsen-Anhalt werfen. Dort droht im Falle entsprechender politischer Mehrheiten ein Angriff auf die Verfassten Studierendenschaften. Umso wichtiger ist es, dass wir demokratische Mitbestimmung an Hochschulen aktiv verteidigen und stärken“ ergänzt “ ergänzt Marcel aus der FSVV.

Aus Sicht der FSVV zeigt die niedrige Wahlbeteiligung zugleich, dass Hochschulpolitik und die Arbeit des StuRa für viele Studierende häufig zu abstrakt erscheinen.

„Viele Studierende erleben Hochschulpolitik als weit entfernt von ihrem Alltag. Genau deshalb braucht es eine studentische Interessenvertretung, die nah an den Lebensrealitäten der Studierenden arbeitet. Die Fachschaften leisten diese Arbeit jeden Tag direkt vor Ort“ unterstreicht Emma-Luna von der FSVV.

Die FSVV sieht sich durch das Wahlergebnis in ihrem Ansatz bestätigt, Hochschulpolitik offen, transparent und basisdemokratisch zu gestalten. Entscheidungen müssten nachvollziehbar getroffen werden und dürften nicht in geschlossenen Zirkeln oder Hinterzimmern stattfinden.

„Wir stehen für eine Hochschulpolitik, die für alle Studierenden offen ist. Mitbestimmung darf nicht auf wenige gewählte Personen beschränkt bleiben, sondern muss das ganze Jahr über möglich sein.“ macht Wahlkämpfer Jeremias aus der FSVV nochmal deutlich.

Nach Auffassung der FSVV beginnt die eigentliche Arbeit nun erst. Mit ihrer gestärkten Position im StuRa will die Liste die Interessen der Studierenden konsequent vertreten und gleichzeitig weitere Beteiligungsmöglichkeiten schaffen. Die FSVV lädt alle Studierenden ein, sich aktiv einzubringen – sei es in den Fachschaften oder in den Arbeitskreisen.

Wahlergebnisse Studierendenrat (StuRa):

  • FSVV: 5 Sitze 26,6% (+2 Sitze hinzugewonnen)
  • Liste gegen Macker (LgM): 4 Sitze 24,8% (+4 Sitze hinzugewonnen) (neu)
  • Grüne Hochschulgruppe (GHG): 4 Sitze 22,7% (-1 Sitz verloren)
  • Juso-Hochschulgruppe: 2 Sitze 14 % (±0 Sitze)
  • Liberale Hochschulgruppe (LHG): 2 Sitze 11,9% (±0 Sitze)

Wahlbeteiligung StuRa: 7,8 Prozent (-2,5 Prozentpunkte)

Wahlergebnisse Senat:

  • FSVV: 2 Sitze 26,8% (+1 Sitz hinzugewonnen)
  • Liste gegen Macker:1 Sitz 23,9% (+1 Sitz hinzugewonnen) (neu)
  • GHG: 1 Sitz 21,3% (±0 Sitze)
  • Juso-Hochschulgruppe: 0 Sitze 12.2 % (±0 Sitze)
  • Liberale Hochschulgruppe (LHG): 0 Sitze 12% (-1 Sitze)
  • Liste gegen Extremismus (LgE): 0 Sitze 3,8% (±0 Sitze) (neu)

Wahlbeteiligung Senat: 8,6 Prozent

Studium Generale: „Orte und Architektur“ der Universität Tübingen – „Geschichten des Klubhauses. Ein Ort studentischer Selbstbestimmung“

Mittwoch 17.06.2026 18 c.t. | Kupferbau Hörsaal 21 – sowie im Livestream

Referenten: Yannick Decker (Universität Tübingen, Fachschaftenvollversammlung/FSVV) und Finn Kuhl (Universität Tübingen, Fachschaft EKW)

Clubhausfeste, Hochschulsport, Musikgruppen oder Hochschulpolitik – viele Studierende verbinden ganz unterschiedliche Erinnerungen und Erfahrungen mit dem Klubhaus in der Wilhelmstraße 30. Seit seiner Eröffnung im Jahr 1956 ist es ein zentraler Ort des studentischen Lebens und der studentischen Selbstorganisation.

Von den Amerikanern gestiftet, um nach dem Zweiten Weltkrieg demokratische Strukturen an den Hochschulen zu stärken, wurde das Klubhaus in den 1960er-Jahren zu einem Ort, an dem Utopien entworfen und Vorstellungen einer anderen Gesellschaft diskutiert wurden. Im Laufe der Jahrzehnte geriet das Gebäude jedoch zunehmend ins Hintertreffen: Es wurde vernachlässigt, und zeitweise gab es sogar Pläne, es durch einen repräsentativen Konzertsaal zu ersetzen.

Heute, 71 Jahre nach seiner Errichtung als Symbol demokratischer Erneuerung, bröckelt nicht nur die Bausubstanz des Hauses. Auch demokratische Institutionen und gesellschaftlicher Zusammenhalt stehen vielerorts unter Druck. Der Vortrag geht der Frage nach, was das Klubhaus zu einem besonderen Ort macht und wie Architektur, Demokratie und Gesellschaft miteinander verbunden sind. Dabei führt er durch die bewegte Geschichte der Tübinger Studierendenschaft und zeigt, weshalb das Klubhaus bis heute ein wichtiger Ort studentischer Selbstbestimmung ist.

Gremienwahlen 2021: Steckbriefe der FSVV

Das Campusmagazin Kupferblau hat für die Gremienwahlen 2021 Steckbriefe von den zur StuRa-Wahl antretenden Listen angefordert und hier veröffentlicht. Hier findet ihr noch einmal unsere Antworten. Aufgrund der kurzfristigen Anfrage konnten wir die Antworten nicht von den Fachschaften beschließen lassen sondern sie wurden von unseren Aktiven geschrieben.

1. Was ist das Wichtigste, was Studierende über euch wissen sollten? Was ist euer Alleinstellungsmerkmal?
Wir vernetzen die zentralen Gremien an der Uni (Studierendenrat, Senat, Senatskommissionen usw.) mit den dezentralen Gremien der Fächer und Fakultäten (Fachschaften, Fakultätsräte, Fakultätskommissionen usw.). Uns ist wichtig, dass im Studierendenrat nicht nur die 21 Mitglieder nach ihrer persönlichen oder parteipolitischen Lust und Laune über Anträge entscheiden – stattdessen soll es eine breite Mitbestimmung geben. Vieles, was der StuRa z. B. zu Lehre beschließt, hat ganz konkrete Auswirkungen auf das Studium. Die Fachschaften haben hier den besten Überblick, wo es an welchen Fakultäten gerade welche Probleme gibt und werden über uns in die Entscheidungen eingebunden. Wir machen das über das sogenannte Imperative Mandat: StuRa-Anträge werden meist nicht nur im StuRa, sondern auch in den Fachschaften und unserer FSVV-Sitzung behandelt und unsere StuRa-Delegierten halten sich anschließend an das Mandat der Fachschaften.

2. Was wird in der kommenden Legislaturperiode euer wichtigstes Vorhaben sein?
Leider wird vermutlich auch nächstes Semester die Corona-Pandemie noch eines der zentralen Themen sein. Uns ist wichtig, dass Studierende so wenig Nachteile wie möglich durch die Pandemie haben. Im kommenden Semester wird das besonders spannend: Einerseits können wir voraussichtlich endlich wieder mehr Präsenzlehre anbieten. Gleichzeitig werden wir damit aber auch mit der Unileitung und Dozierenden darüber verhandeln müssen, dass es weiterhin keine Anwesenheitspflicht geben darf und weiterhin Studierende, die Pflegearbeit leisten oder zu einer Risikogruppe nicht vergessen werden dürfen. Außerdem wird der Umgang mit digitaler Lehre ein großes Thema sein: Diese sollte nach Corona natürlich nicht komplett verschwinden. Viele Studierende haben berichtet, dass sie mit Vorlesungen in Videoform sehr gut zurechtkommen – doch auch darüber hinaus bietet die digitale Lehre durchaus Potenzial. Hier heißt es, zusammen mit Dozierenden an Konzepten zu arbeiten, wie digitale Lehre für Lernende wie Lehrende gut gestaltet werden kann, sodass sie keine*n ausschließt oder abhängt.

3. Wie soll eurer Meinung nach die Rückkehr zur Präsenzlehre gestaltet werden? Welche digitalen Aspekte sollen auch in Zukunft in die Lehre eingebunden werden?
Mit dem Solidarsemester Forderungskatalog, der von der Studentischen Vollversammlung beschlossenen Stellungnahme Studieren in Coronasemestern und unserem Antrag Position Lehre Sommersemester haben wir und der Studierendenrat hier viel zu gearbeitet und beschlossen. Kurz: Hochschulen dürfen bei den Öffnungsplänen nicht ausgeschlossen werden! Wir begrüßen die für das WiSe angekündigte Rückkehr in die Präsenz, jedoch wird es auch im Winter weiterhin viele digitale Angebote geben müssen. Wie viel Präsenz stattfinden kann, muss an die Bedürfnisse der einzelnen Fächer angepasst werden. Aber auch in Fächern, in denen es keine Laborpraktika gibt, sollen die Studierenden die Möglichkeit haben, auch außerhalb ihres Zimmers und ohne Videokonferenz gemeinsam zu lernen.
Auch nach Corona gilt: Vorlesungsaufzeichnungen sind für viele Studis super! Digitale Lehre kann aber noch viel mehr und bietet die Möglichkeit, noch stärker auf die individuellen Interessen der Studierenden einzugehen. Wichtig ist, dass Studierende durch asynchrone Lehre nicht noch stärkere Arbeitsbelastung haben und ein geregelter Tagesablauf möglich ist. Außerdem fordern wir, dass die Uni wo möglich auf OpenSource-Software setzt und sich nicht von großen Konzernen mit fragwürdigem Datenschutz abhängig macht.

4. Was ist eurer Meinung nach die (wichtigste) Aufgabe des StuRa?
Er vertritt die Interessen der Studierenden. Ein wichtiger Punkt hierbei ist natürlich die Vergabe von finanziellen Mitteln für Projekte, Veranstaltungen usw. Im Gegensatz zu manch anderen Hochschulgruppen, die Referent*innen für Vorträge am liebsten gar kein Honorar zahlen wollen, versuchen wir hier ein breites Angebot zu ermöglichen. Neben der finanziellen Förderung, die oft viel zu viel Zeit in den StuRa Sitzungen in Anspruch nimmt, ist Teil der Interessensvertretung aber natürlich auch, sich zu aktuellen Themen an der Uni zu äußern, Kontakt mit der Unileitung, der Univerwaltung und Dozierenden zu pflegen und sich eben allgemein für die Interessen der Studierenden stark zu machen. Der StuRa ist unserer Meinung nach übrigens kein reines Redeparlament, Verbesserungen an der Uni erreichen wir nicht durch Beschlüsse, sondern meist nur durch viel Arbeit und Engagement.

5. Ist der StuRa zu (allgemein-)politisch?
Der Großteil unserer Arbeit hat fast ausschließlich mit dem Studium und der Uni zu tun. Unsere Uni existiert aber nicht im luftleeren Raum! Hürden gegen Bildungsgerechtigkeit gibt es eben nicht erst an der Uni, sondern existieren überall in unserer Gesellschaft. In der aktuellen Legislatur haben einige Hochschulgruppen im StuRa sich gegen Flyer ausgesprochen, die sich gegen Rassismus starkmachen wollten. Ein Argument war, dass das nichts mit Hochschulpolitik zu tun hätte. Das ist unserer Meinung nach Blödsinn: Auch an der Uni gibt es Rassismus, genauso wie Sexismus, Antisemitismus und andere Formen von Diskriminierung. Ein StuRa, der diese Zusammenhänge ignoriert, kann die Studierenden nicht angemessen vertreten.
Das Landeshochschulgesetz nennt übrigens als eine der Aufgaben des Studierendenrats, politische Bildungsarbeit zu leisten. Die Uni achtet als Rechtsaufsicht darauf, dass der StuRa im Rahmen seines Aufgabengebietes bleibt und hat uns hierbei auch schon regelmäßig recht gegeben – auch bei der letzten Debatte über die Flyer gegen Rassismus.

6. Findet ihr es wichtig, dass der StuRa versucht, bekannter bei den Studierenden zu werden? Wenn ja: Wie?
Natürlich! Einerseits ist wichtig, dass die Studierenden wissen, worüber der Studierendenrat diskutiert und wofür er sich einsetzt. Gleichzeitig sind wir auf das Engagement unserer Kommiliton*innen angewiesen und berichten daher aktiv über die Arbeit des Studierendenrats und dessen Arbeitskreisen. Mit dem Referat für Presse und Öffentlichkeit, das unter anderem auf unsere Initiative dieses Jahr das erste Mal besetzt wurde, hat sich hier bereits viel getan. Außerdem posten wir regelmäßig auf Social Media und der Homepage des Studierendenrats, was gerade so geht. Daneben sind die Fachschaften ein unverzichtbarer Informationskanal, über den wir wichtige Infos aus StuRa und Gremien weitergeben. Das wollen wir noch weiter ausbauen und aus noch mehr Arbeitskreisen und Gremien der Uni berichten.

📮Jetzt Briefwahl für die Gremienwahlen beantragen 💌📫

Am 29. und 30. Juni sind wieder Wahlen an der Uni. Wie letztes Jahr wird es erneut nur zwei Wahllokale geben (am 29. auf der Morgenstelle und am 30. im Clubhaus). Am einfachsten wählt ihr also per Briefwahl.

Dafür hat die Uni wieder ein Formular zur Verfügung gestellt in das ihr einfach nur euren Namen, Adresse usw. eintragen müsst und dann bekommt ihr die Unterlagen ganz bequem nach Hause.

Zum Briefwahlformular: https://uni-tuebingen.de/de/210103

Die Rücksendekosten übernehmen die Studierendenschaft und die Uni.

Gewählt werden der Studierendenrat, der Senat, die Fakultätsräte und an einigen Fakultäten die Fakultätsvertretungen. Auf unserer Homepage findet ihr unter dem Menüpunkt Gremienarbeit noch weitere Infos zu den Gremien.

Stellungnahme der Tübinger Hochschulgruppen zur sogenannten „Bayreuther Erklärung“

In einer „Bayreuther Erklärung“ nahmen die Kanzlerinnen und Kanzler der deutschen Universitäten unlängst Stellung zur weitverbreiteten Befristungspraxis im Hochschulbereich. Dort sind im sogenannten „akademischen Mittelbau“ nach wie vor über 80% der Beschäftigten befristet angestellt, und von diesen hat etwa die Hälfte einen Vertrag mit einer Laufzeit von nur einem Jahr oder noch kürzer. Alle Versuche, dies in den letzten Jahren durch politischen Druck zu verändern, waren bisher ergebnislos.
Nun verteidigen die Uni-Kanzlerinnen und -Kanzler die bestehenden Zustände. Auf ihrer letzten Jahrestagung, die im September 2019 an der Universität Bayreuth stattfand, wurde ein Papier verabschiedet, das auf die besondere Rolle der Universitäten als „Qualifizierungssystem“ hinweist und dies als Rechtfertigung für befristete Beschäftigung versteht.

Wörtlich heißt es darin: „Universitäten leisten mit der akademischen Qualifizierung dringend benötigter Fachkräfte einen wichtigen Beitrag (…). Das Modell befristeter Qualifizierungsphasen in den unterschiedlichen Bildungsformaten der Universitäten ist eine unverzichtbare Voraussetzung dafür, dass dieses gesellschaftliche Ziel weiterhin erreicht werden kann. (…) Der Aufgabenstellung der Universitäten folgend, ist es notwendig, dass die Zahl ihrer befristeten Beschäftigungsverhältnisse für wissenschaftliches Personal überwiegt.“

Wir weisen diese Sicht der Dinge mit Entschiedenheit zurück! Die Begründung für die Aufrechterhaltung prekärer Befristungsverhältnisse an deutschen Universitäten geht am Kern des Problems und an der Arbeitsrealität eines Großteils der Mittelbaulerinnen und Mittelbauler vorbei!

Natürlich ist es sinnvoll, Qualifikationsstellen zu befristen. Es hat in der Vergangenheit auch noch nie jemand die Entfristung von tausenden Doktorandinnen und Doktoranden gefordert. Und auch drittmittelfinanzierte Projektstellen lassen sich nicht ohne Weiteres entfristen. Es ist aber keineswegs logisch, dass der Qualifizierungsauftrag der Hochschulen zu Befristungsquoten von über 80% führt. Einen Qualifizierungsauftrag haben Hochschulen zunächst und vor allem gegenüber ihren Studierenden, und viele der Aufgaben in Forschung und Lehre, die von befristet Beschäftigten (z.B. befristeten Lehrdozenturen oder befristeten akademischen Ratsstellen) in diesem Zusammenhang übernommen werden, sind eindeutig Daueraufgaben, die durch dauerhafte Beschäftigung erfüllt werden können und sollen!

Es ist zudem unzumutbar, dass eine große Mehrheit der Postdocs gezwungen ist, sich jahrelang von Zeitvertrag zu Zeitvertrag zu hangeln. Viele wissen erst mit 40, ob aus der Unikarriere etwas wird oder nicht. Dabei erfüllen Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen im Postdoc-Bereich elementare Aufgaben des Universitätsbetriebs. Regelmäßig übernehmen sie Personalverantwortung und betreuen Abschlussarbeiten. Es kann aus sachlichen Gründen einfach nicht angehen, sie mit Promovierenden in einen Topf zu werfen! Zurecht fordert die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) schon seit 2010 verlässliche Perspektiven im Postdoc-Bereich, und erst vor kurzem hat sich gegen den Befristungswahn an den deutschen Hochschulen die bundesweite Initiative „Frist ist Frust“ gegründet, an der sich neben den Einzelgewerkschaften GEW und ver.di und dem DGB zahlreiche weitere Gruppen beteiligen, so etwa das N2 – Network of Doctoral Researcher Networks, der Bund demokratischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler (BdWi) sowie der freie zusammenschluss der studierendenschaften (fzs e.V.).

Weil unter prekären Bedingungen keine gute Forschung und Lehre stattfinden können, u.a. weil erworbene Kompetenzen mit dem erzwungenen Weggang des Personals verloren gehen und keine langfristige Planung in der Lehre möglich ist, liegt eine Behebung der Befristungsmisere nämlich auch im Interesse der Studierenden und letztlich der gesamten Universität.

Wir rufen die Tübinger Universitätsleitung daher auf, sich von der Bayreuther Erklärung eindeutig zu distanzieren und sich für mehr Dauerbeschäftigung im Hochschulwesen einzusetzen.

  • GEW-/ver.di-Hochschulgruppe Tübingen
  • Konvent der DoktorandInnen der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Tübingen
  • Ernst-Bloch-Uni Tübingen
  • Fachschaftenvollversammlung
  • Fachschaft Politik
  • Grüne Hochschulgruppe Tübingen
  • Studierendenrat der Universität
  • Ver.di-Betriebsgruppe Universität Tübingen
  • Personalrat Universität Tübingen
  • Juso-Hochschulgruppe Tübingen
  • Stipendiat*innengruppe der Hans-Böckler-Stiftung
Mehr Infos zu Befristung unter http://frististfrust.net

Demo am 30. Oktober gegen die Unterfinanzierung von Universitäten und Hochschulen

Liebe Kommiliton*innen, liebe alle,

wir rufen zum 30. Oktober zu landesweiten Demos gegen die Unterfinanzierung von Universitäten und Hochschulen auf!

In den Gebäuden von vorgestern an der Zukunft von übermorgen arbeiten – dabei bröckelt es abseits der repräsentativen Flächen an allen Ecken und Enden. Nicht selten bekommen Studierende in ganz Baden-Württemberg keinen Seminarplatz, da schlichtweg nicht genügend Seminare für alle angeboten werden können. Dozierende arbeiten oftmals unter prekären Bedingungen, länger als vertraglich vorgesehen, für wenig Geld und mit nur befristeten Lehrverträge.

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24-Stunden-Vorlesung für „vielfalt statt einfalt“

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Was ist die Uni? Die Uni ist bunt!
Die Fachschaftenvollversammlung lädt alle, die das so oder so ähnlich sehen, zur 24-Stunden-Vorlesung ein. Ab Donnerstag, 21. Juni, 19:00 Uhr halten 24 Referent*innen aus den verschiedensten Fachbereichen 24 spannende Vorträge zu allen denkbaren und undenkbaren Themen im Hörsaal 21 des Kupferbaus:
Von Stahlzöllen in den USA (Do, 19:00 Uhr) über die Frage, was Verschwörungstheoretiker und Literaturwissenschaftler gemeinsam haben (Fr, 00:00 Uhr), und einer mathematischen (T)raumreise durch die Welt der Geometrie um 05:00 Uhr morgens bis hin zu einer Analyse des Videospiels Skyrim aus skandinavistischer Perspektive (Fr, 18:00) ist alles dabei, was ein wissbegieriges Herz begehrt.

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Neue Statusgruppen?

Frau Bauer, unsere Kultusministerin (die mit den Studiengebühren), möchte Promovierende als neue Statusgruppe schaffen.[1] Das hieße, neben den Professor*innen – welche mindestens 50% der Stimmen haben müssen, weil, ‚Wissenschaftsfreiheit und so‘ (?!) – und Studierenden, Wissenschaftlichen und Nicht-Wissenschaftlichen Mitarbeitern säßen dann auch gewählte Vertreter*innen der Doktorant*innen im Senat.

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Politisches Mandat

Aus Presseberichten (1) erfahren wir, dass nachdem Studiengebühren eingeführt werden nun auch das politische Mandat der Verfassten Studierendenschaften fallen soll. Während der RCDS ein mögliches Ende des politischen Mandates feiert (2) kritisieren der StuRa Heidelberg und StuRa Freiburg gemeinsam das Vorhaben, dessen rechtliche Folgen noch umstritten sind (3). Die Landesstudierendenvertretung formuliert klare Forderungen (4), wird aber vom Land überhaupt nicht gehört und fordert daher gar den Rücktritt der zuständigen Ministerin (5). Laut Ministerium bleibt dagegen alles beim alten (6).

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