Stellungnahme der Tübinger Hochschulgruppen zur sogenannten „Bayreuther Erklärung“

In einer „Bayreuther Erklärung“ nahmen die Kanzlerinnen und Kanzler der deutschen Universitäten unlängst Stellung zur weitverbreiteten Befristungspraxis im Hochschulbereich. Dort sind im sogenannten „akademischen Mittelbau“ nach wie vor über 80% der Beschäftigten befristet angestellt, und von diesen hat etwa die Hälfte einen Vertrag mit einer Laufzeit von nur einem Jahr oder noch kürzer. Alle Versuche, dies in den letzten Jahren durch politischen Druck zu verändern, waren bisher ergebnislos.
Nun verteidigen die Uni-Kanzlerinnen und -Kanzler die bestehenden Zustände. Auf ihrer letzten Jahrestagung, die im September 2019 an der Universität Bayreuth stattfand, wurde ein Papier verabschiedet, das auf die besondere Rolle der Universitäten als „Qualifizierungssystem“ hinweist und dies als Rechtfertigung für befristete Beschäftigung versteht.

Wörtlich heißt es darin: „Universitäten leisten mit der akademischen Qualifizierung dringend benötigter Fachkräfte einen wichtigen Beitrag (…). Das Modell befristeter Qualifizierungsphasen in den unterschiedlichen Bildungsformaten der Universitäten ist eine unverzichtbare Voraussetzung dafür, dass dieses gesellschaftliche Ziel weiterhin erreicht werden kann. (…) Der Aufgabenstellung der Universitäten folgend, ist es notwendig, dass die Zahl ihrer befristeten Beschäftigungsverhältnisse für wissenschaftliches Personal überwiegt.“

Wir weisen diese Sicht der Dinge mit Entschiedenheit zurück! Die Begründung für die Aufrechterhaltung prekärer Befristungsverhältnisse an deutschen Universitäten geht am Kern des Problems und an der Arbeitsrealität eines Großteils der Mittelbaulerinnen und Mittelbauler vorbei!

Natürlich ist es sinnvoll, Qualifikationsstellen zu befristen. Es hat in der Vergangenheit auch noch nie jemand die Entfristung von tausenden Doktorandinnen und Doktoranden gefordert. Und auch drittmittelfinanzierte Projektstellen lassen sich nicht ohne Weiteres entfristen. Es ist aber keineswegs logisch, dass der Qualifizierungsauftrag der Hochschulen zu Befristungsquoten von über 80% führt. Einen Qualifizierungsauftrag haben Hochschulen zunächst und vor allem gegenüber ihren Studierenden, und viele der Aufgaben in Forschung und Lehre, die von befristet Beschäftigten (z.B. befristeten Lehrdozenturen oder befristeten akademischen Ratsstellen) in diesem Zusammenhang übernommen werden, sind eindeutig Daueraufgaben, die durch dauerhafte Beschäftigung erfüllt werden können und sollen!

Es ist zudem unzumutbar, dass eine große Mehrheit der Postdocs gezwungen ist, sich jahrelang von Zeitvertrag zu Zeitvertrag zu hangeln. Viele wissen erst mit 40, ob aus der Unikarriere etwas wird oder nicht. Dabei erfüllen Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen im Postdoc-Bereich elementare Aufgaben des Universitätsbetriebs. Regelmäßig übernehmen sie Personalverantwortung und betreuen Abschlussarbeiten. Es kann aus sachlichen Gründen einfach nicht angehen, sie mit Promovierenden in einen Topf zu werfen! Zurecht fordert die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) schon seit 2010 verlässliche Perspektiven im Postdoc-Bereich, und erst vor kurzem hat sich gegen den Befristungswahn an den deutschen Hochschulen die bundesweite Initiative „Frist ist Frust“ gegründet, an der sich neben den Einzelgewerkschaften GEW und ver.di und dem DGB zahlreiche weitere Gruppen beteiligen, so etwa das N2 – Network of Doctoral Researcher Networks, der Bund demokratischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler (BdWi) sowie der freie zusammenschluss der studierendenschaften (fzs e.V.).

Weil unter prekären Bedingungen keine gute Forschung und Lehre stattfinden können, u.a. weil erworbene Kompetenzen mit dem erzwungenen Weggang des Personals verloren gehen und keine langfristige Planung in der Lehre möglich ist, liegt eine Behebung der Befristungsmisere nämlich auch im Interesse der Studierenden und letztlich der gesamten Universität.

Wir rufen die Tübinger Universitätsleitung daher auf, sich von der Bayreuther Erklärung eindeutig zu distanzieren und sich für mehr Dauerbeschäftigung im Hochschulwesen einzusetzen.

  • GEW-/ver.di-Hochschulgruppe Tübingen
  • Konvent der DoktorandInnen der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Tübingen
  • Ernst-Bloch-Uni Tübingen
  • Fachschaftenvollversammlung
  • Fachschaft Politik
  • Grüne Hochschulgruppe Tübingen
  • Studierendenrat der Universität
  • Ver.di-Betriebsgruppe Universität Tübingen
  • Personalrat Universität Tübingen
  • Juso-Hochschulgruppe Tübingen
  • Stipendiat*innengruppe der Hans-Böckler-Stiftung
Mehr Infos zu Befristung unter http://frististfrust.net

Demo am 30. Oktober gegen die Unterfinanzierung von Universitäten und Hochschulen

Liebe Kommiliton*innen, liebe alle,

wir rufen zum 30. Oktober zu landesweiten Demos gegen die Unterfinanzierung von Universitäten und Hochschulen auf!

In den Gebäuden von vorgestern an der Zukunft von übermorgen arbeiten – dabei bröckelt es abseits der repräsentativen Flächen an allen Ecken und Enden. Nicht selten bekommen Studierende in ganz Baden-Württemberg keinen Seminarplatz, da schlichtweg nicht genügend Seminare für alle angeboten werden können. Dozierende arbeiten oftmals unter prekären Bedingungen, länger als vertraglich vorgesehen, für wenig Geld und mit nur befristeten Lehrverträge.

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24-Stunden-Vorlesung für „vielfalt statt einfalt“

bumblebee

Was ist die Uni? Die Uni ist bunt!
Die Fachschaftenvollversammlung lädt alle, die das so oder so ähnlich sehen, zur 24-Stunden-Vorlesung ein. Ab Donnerstag, 21. Juni, 19:00 Uhr halten 24 Referent*innen aus den verschiedensten Fachbereichen 24 spannende Vorträge zu allen denkbaren und undenkbaren Themen im Hörsaal 21 des Kupferbaus:
Von Stahlzöllen in den USA (Do, 19:00 Uhr) über die Frage, was Verschwörungstheoretiker und Literaturwissenschaftler gemeinsam haben (Fr, 00:00 Uhr), und einer mathematischen (T)raumreise durch die Welt der Geometrie um 05:00 Uhr morgens bis hin zu einer Analyse des Videospiels Skyrim aus skandinavistischer Perspektive (Fr, 18:00) ist alles dabei, was ein wissbegieriges Herz begehrt.

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Neue Statusgruppen?

Frau Bauer, unsere Kultusministerin (die mit den Studiengebühren), möchte Promovierende als neue Statusgruppe schaffen.[1] Das hieße, neben den Professor*innen – welche mindestens 50% der Stimmen haben müssen, weil, ‚Wissenschaftsfreiheit und so‘ (?!) – und Studierenden, Wissenschaftlichen und Nicht-Wissenschaftlichen Mitarbeitern säßen dann auch gewählte Vertreter*innen der Doktorant*innen im Senat.

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Politisches Mandat

Aus Presseberichten (1) erfahren wir, dass nachdem Studiengebühren eingeführt werden nun auch das politische Mandat der Verfassten Studierendenschaften fallen soll. Während der RCDS ein mögliches Ende des politischen Mandates feiert (2) kritisieren der StuRa Heidelberg und StuRa Freiburg gemeinsam das Vorhaben, dessen rechtliche Folgen noch umstritten sind (3). Die Landesstudierendenvertretung formuliert klare Forderungen (4), wird aber vom Land überhaupt nicht gehört und fordert daher gar den Rücktritt der zuständigen Ministerin (5). Laut Ministerium bleibt dagegen alles beim alten (6).

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Uniwahlen am Dienstag 4. und Mittwoch 5. Juli

Uni-Wahlen, was ist das?

Am 28. und 29.06. finden die Uni-Wahlen statt. Gewählt werden auf Uni-Ebene der StuRa und der Senat. Der StuRa ist der rechtliche Körper der Studierendenschaft. Er verfügt über einen eigenen Haushalt aus euren Beiträgen und aus Landesmitteln (QSM) und kann entsprechend Projekte und Initiativen fördern. Darüber hinaus entscheidet er über die Vergabe der Qualitätssicherungsmittel (QSM) an Fakultäten und zentrale Einrichtungen.

Die Fachschaften-Vollversammlung stellt im StuRa traditionell gemeinsam mit der GHG die Mehrheit. Wir sind als einzige Gruppe über alle Fakultäten hinweg basisdemokratisch organisiert. Zwischen 200 und 500 Aktive der Fachschaften bringen Ihren Kopf zu allen Themen ein, Delegierte dieser Fachschaften tragen diese Meinungen dann weiter. So bestimmt nicht irgendwer über dein Fach, sondern immer eine Gruppe von Studierenden des jeweiligen Fachs. Weil die Vertreter*innen unserer Wahlliste an die Entscheidungen der Fachschaften (-Vollversammlung) gebunden sind kann sich jede*r Studierende in seiner Fachschaft an der Entscheidungsfindung beteiligen. Außerdem halten wir uns an Beschlüsse der studentischen Vollversammlungen und von Urabstimmungen. Ein paar wenige gewählte StuRa-Vertreter*innen sollten – so finden wir – nicht einfach über eure Köpfe hinweg entscheiden können.

Der Senat ist Teil der akademischen Selbstverwaltung der Uni. Hier geht es darum, euren Fachschaften einen möglichst großen Stimmenanteil zu sichern. Der Senat entscheidet über studienorganisatorsiche Dinge, über die niemand so gut bescheid weis wie Ihr. Unsere Senatoren sind an die Entscheidung der betreffenden Fachschaft gebunden. Wir sind der Meinung, dass parteipolitische Spielchen in diesen Strukturen nichts verloren haben.

Auf Fakultäts-Ebene findet die Fakultätsratswahl statt. In den meisten Fakultäten tritt nur eine Liste an, die gemeinsame Liste der Fachschaften der Fakultät. Trotzdem ist es wichtig, dass diese Liste gewählt wird, denn der Fakultätsrat ist das zweithöchste Organ der Selbstverwaltung der Uni. Die verschiedenen Fachschaften arbeiten hier eng zusammen, um für alle das möglichst Beste zu erreichen.

Also:
Geht Wählen! Liste 3, für eine starke, gemeinsame Studienrendenvertretung und starke Fachschaften!

Die Fachschaft bist DU!
Informier dich wann und wo sich deine Fachschaft trifft und schau unverbindlich rein.

Hier noch unser Wahlflyer 2017 und der Verweis auf unsere Facebookseite.

Über 3000 Unterschriften gegen Studiengebühren

Neues aus dem gemeinsamen AK Studiengebühren der FSVV und des StuRa:

Treffen mit Lede-Abal

Heute hat sich der AK Studiengebühren mit dem Landtagsabgeordneten der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen Daniel Lede Abal getroffen, um ihm die über 3000 Unterschriften Studierender gegen die geplanten Studiengebühren für internationale Studierende und Zweitstudium zu übergeben und sich über das Thema auszutauschen.
Wir danken für die interessante Diskussion!