14. November 2016

Stellungnahme zum Haushaltsplan der Landesregierung

Am 25.10.2016 hat das Kabinett der Landesregierung Baden-Württembergs seinen ersten Haushaltsplan verabschiedet. Die für den Hochschulfinanzierungsvertrag „Perspektive 2020“ notwendigen Mittel werden dabei nicht ausreichend zur Verfügung gestellt. Das Finanzierungsdefizit soll durch eine Wiedereinführung von Studiengebühren ausgeglichen werden. Demnach sollen Studierende aus dem Nicht-EU-Ausland zukünftig 1500 Euro und Studierende im Zweitstudium 650 Euro Studiengebühren im Semester bezahlen müssen. Außerdem soll der Verwaltungskostenbeitrag für alle Studierende um 10 Euro angehoben werden.

Derzeit studieren mehr als 3000 ausländische Studierende an der Universität Tübingen. Das dadurch ermöglichte gemeinsame Lernen von Menschen unterschiedlichster Herkunft bereichert alle Studierenden. Bereits aktuell existieren zahlreiche Hürden, die Studierende aus dem nicht-EU Ausland nehmen müssen um an unserer Universität studieren zu können. Beispielsweise müssen sie die Verfügbarkeit von monatlich 500 Euro nachweisen. Wir fürchten, dass vielen jungen Menschen durch die Einführung von Studiengebühren die Chance verwehrt wird in Tübingen zu studieren und dadurch zu diesem internationalen Austausch an unserer Universität beizutragen. Dies widerspricht dem Ideal der Chancengleichheit und einer weltoffenen, inklusiven und gerechten Bildung.

Es gibt verschiedenste Gründe für Studierende der Universität Tübingen ein zweites Studium aufzunehmen. Berufliche Weiterbildung und Umorientierung, ein interdisziplinärer Forschungsanspruch oder der Wille sich lebenslang weiter zu bilden sind alles gute Gründe um dies zu tun. Die Aufnahme eines Zweitstudiums wird schon jetzt durch viele, insbesondere auch finanzielle Hürden erschwert. Eine Einführung von Studiengebühren werten wir eindeutig als einen Schritt in die falsche Richtung.

Weder an unserer Universität, noch im Ministerium steht eine nennenswerte Erweiterung der Verwaltung in Aussicht. Für eine Erhöhung des Verwaltungskostenbeitrags gibt es daher keine Rechtfertigung.

Die Universität Tübingen setzt es sich in ihrem Leitbild zum Ziel „ihre Attraktivität für ausländische Studierende weiter zu erhöhen“. Außerdem bekennt sie sich zum lebenslangen Lernen und betont, dass „Bildung nicht als etwas Abgeschlossenes“ betrachtet werden kann. Die Einführung von Studiengebühren für ausländische Studierende sowie für ein Zweitstudium, die der aktuelle Haushaltsplan der Landesregierung vorsieht, stehen ganz offensichtlich in einem grundlegenden Widerspruch zu dem Leitbild unserer Universität. Darüber hinaus stehen sie in einem grundlegenden Widerspruch zu den Erwartungen, die tausende Studierende vor der Landtagswahl im März an die Regierungsparteien gestellt haben.

Wir stellen uns entschlossen gegen die Wiedereinführung von Studiengebühren in Baden-Württemberg. Wir fordern die Landesregierung auf, einen neuen Haushaltsplan zu verabschieden, in dem universitäre Forschung und Lehre auch in Zukunft ohne Studiengebühren finanziert werden.

Wir rufen dich auf aktiv zu werden. Kontaktiere die Studierendenvertretung deiner Wahl. Die Fachschaften Vollversammlung an der Universität Tübingen setzt sich gegen die Einführung von Studiengebühren ein und freut sich auf deine Mitarbeit (kontaktiere uns unter ga@fsrvv.de).

(Beschlossen durch die anwesenden Delegierten der Fachschaften in der Sitzung der FSVV am 14.11.2016.)

24. Oktober 2016

(Durch Beschluss der delegierten Fachschaftler*innen in der FSVV-Sitzung am 31.10.2016 wurde die obige Stellungnahme der BAS unterstützt. Die Veröffentlichung ist zurückdatiert auf den Tag des Antrags.)

„Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden.“ (Artikel 3, Absatz 3, Grundgesetz).

Wir, Studierende und Jugendliche sowie Engagierte und politisch Aktive, lehnen den Vorstoß des Baden-Württemberger Wissenschaftsministeriums, Studiengebühren wieder einzuführen, ab. Baden-Württembergs „Grüne“ Wissenschaftsministerin Theresia Bauer plant die Einführung von Studiengebühren für internationale Studierende. Dabei sollen Nicht-EU-Bürger*innen für ein Studium in Baden-Württemberg pro Semester 1.000 bis 2.000 Euro zahlen, der Betrag für alle anderen Studierenden um 10€ ansteigen und ein Zweitstudium in Zukunft 650 Euro pro Semester kosten. Begründet wird diese Maßnahme damit, dass das Ministerium 48 Millionen Euro einsparen soll, um eine „schwarze Null“ zu erreichen. Bisher fand über die konkreten Überlegungen keinerlei öffentliche Debatte statt, Studierende wurden weder gefragt noch einbezogen, obwohl sie eine eigene Vertretung haben.

Diese Absicht ist auf mehreren Ebenen fatal für eine gerechte Bildung. Bildung an und für sich ist ein Grundrecht und muss allen offenstehen. Daher sollten neben den Hochschulen auch alle anderen Bildungswege kostenfrei sein (Meister*in, Techniker*in, und jegliche Ausbildung). Nicht das vorhandene eigene Vermögen (bzw. das der Eltern) sollte dafür ausschlaggebend sein, für welche Ausbildung man sich entscheidet, sondern das Interesse.

(mehr …)

24. Oktober 2016

(Dieser Offene Brief, unter anderem Verbreitet über den Verteiler der LAK, wurde in der Sitzung der FSVV vom 31.10.16 ohne Gegenstimmen angenommen und auf das Datum des Antrags zurückdatiert.)

Sehr geehrte Frau Ministerin Bauer,

empört haben wir Ihren Vorstoß zum Thema Studiengebühren vernommen. Die Vorschläge, Studiengebühren für Nicht-EU Studierende und Zweitstudium einzuführen höhlen die im Koalitionsvertrag getroffene Zusage „keine allgemeinen Studiengebühren“ maximal aus – die Erhöhung des Verwaltungskostenbeitrags bricht sie.

Denn der gesteigerte Verwaltungskostenbeitrag soll nicht gestiegenen Verwaltungskosten decken, sondern Finanzlöcher in der Hochschulfinanzierung stopfen. Die im Hochschulfinanzierungsvertrag 2020 zugesicherte Planungssicherheit für Universitäten soll nun auf Kosten der Studierenden umgesetzt werden. Dies empfinden wir als Vertrauensbruch. Solche Studiengebühren durch die Hintertür lehnen wir ab!

Auch vor dem Hintergrund wachsender fremdenfeindlicher Stimmung sollte der Vorschlag einer „Ausländergebühr“ nicht nur kritisch gesehen, sondern konsequent abgelehnt werden. Internationale Studierende bereichern den akademischen und sozialen Unialltag. Der internationale Austausch von Menschen und Ideen ist eine Grundvoraussetzung für sehr gute Wissenschaft und eine wichtige Erfahrung für Studierende, Professor_innen und Angestellte; für deutsche und internationale. Kommen die Gebühren, können sich viele Internationale Studierende ein Studium in Baden-Württemberg nicht mehr leisten. Das entspricht nicht unserer Vorstellung von Chancengleichheit. Eine Härtefallregelung wird dies nicht verhindern, da die Visabestimmungen soziale Härtefälle bereits so gut wie ausschließen.

Auch die Gebühren für ein Zweitstudium lehnen wir ab. Es gibt gute Gründe für ein Zweitstudium, zum Beispiel, wenn man nach Abschluss seines ersten Studiums keine Arbeit findet, oder interdisziplinär arbeiten möchte. Die finanziellen Hürden ein Zweitstudium zu beginnen sind dabei schon jetzt hoch genug.
Für eine wirtschaftlich und sozial erfolgreiche Zukunft Baden-Württembergs muss der Zugang zur Hochschulbildung für alle frei zugänglich bleiben. Ein wohlhabendes Bundesland wie Baden-Württemberg muss es schaffen, die dafür notwendigen finanziellen Mittel aufzubringen. Wir bitten Sie daher ihre Vorschläge zu überdenken und im Interesse der Studierenden zu handeln.

Hochachtungsvoll,

AStA Hohenheim,
AStA Mannheim,
Verfasste Studierendenschaft der Universität Konstanz,
AStA Freiburg,
AStA KIT,
AStA Musikhochschule Freiburg,
AStA Kehl,
FSVV an der Universität Tübingen

17. Oktober 2016

Ernst-und-Karola-Bloch-Wochen

14390679_903602003104872_1335068102083370864_n

Endlich ist es wieder so weit: Die Ernst-und-Karola-Bloch-Wochen 2016 sind da! Zwischen dem 20.10. und 5.11. erwarten euch über 20 Veranstaltungen, organisiert von Studierenden und Aktiven aus Tübingen. Uns alle erwartet ein umfangreichen Programm: Vorträge, Workshops, Stadtrundgänge, Filme, Lesungen und ein Kaffeekränzchen. Nicht nur für Erstis, nicht nur für Studis, sondern offen für alle Interessierten!

Mehr Infos zu allen Veranstaltungen der Blochwochen auf Facebook und in unserem Flyer.

Warum Alternativer Dies und Dies Universitatis?

Der Auftakt der alternativen Semestereröffnung ist der alljährliche Alternative Dies Universitatis (AlDi) im Clubhaus (gegenüber der Neuen Aula, Bushaltestelle Uni/Neue Aula) am Donnerstag 20.10.2016 ab 16 Uhr mit dem Markt der möglichen Alternativen und anschließend dem ersten Clubhausfest des Semesters.

Die Veranstaltung findet parallel zum „Dies Universitatis“ auf der Morgenstelle statt, wo sich ab 18 Uhr verschiedene Gruppen den neu eingeschriebenen Studierenden vorstellen. Seit einigen Jahren duldet die Universität, dass das auch Verbindungen farbentragend tun, verbindungskritische Inhalte hingegen werden unterdrückt. Eine Veranstaltung, auf der Verbindungen einseitig hofiert werden, vermittelt Studienanfänger*Innen ein verzerrtes Bild von Tübingen und ist damit kritisch zu sehen.

Deshalb wird am Nachmittag des 20. Oktober wieder der „Alternative Dies“ (AlDi) im Clubhaus stattfinden. Ziel des AlDi ist es, einen Markt der Möglichkeiten zu schaffen, auf dem die Neu-Immatrikulierten und alle anderen Interessent*Innen die Vielfalt Tübinger Gruppen und Initiativen kennenlernen können.

AlDi 2016

AlDi 2016

Der AlDi umfasst dieses Jahr neben dem klassischen Markt der möglichen Alternativen (MdmA), bei dem sich Tübinger Gruppen ganz ohne Couleurband vorstellen können – ab 16 Uhr -, noch folgendes:

Ab 17 Uhr: Vortrag zu Bildung im Kapitalismus. Was haben Kapitalismus und Bildung miteinander zu tun? Wie lässt sich der Zusammenhang theoretisch analysieren? Und was bedeutet das ganz konkret für unseren Alltag an der Uni? Diesen und weiteren Fragen wollen wir in unserem Vortrag nachgehen. Wir freuen uns auf eine spannende Diskussion im Anschluss. Also kommt vorbei! [SDAJ] (siehe auch Facebook)

Ab 19 Uhr: Workshop Verschwörungstheorien [Solid]

Ab 21 Uhr: Erstes Clubhausfest des Semesters, veranstaltet durch den Häuserföderationsrat (Zusammenschluß der selbstverwalteten Studierenden-Wohnheime des Studierendenwerks Tübingen) mit der Fachschaften-Vollversammlung (FSVV) und der linken Hochschulgruppe [’solid].SDS.
Auf dem Großen Floor: Elektronische Musik mit DJ Gopal, auf dem kleinen Floor: Große Auswahl an günstigen Getränken an der Theke und eine Geisterbahnfahrt der Gefühle durch die Musik der 70er, 80er, 90er und 2000er Jahre mit Ursus & Fabian. (Mehr Infos auf Facebook)

Für leibliches Wohl wird durch die KÜFA [Lu15] gesorgt.

Achtung: Die angekündigte Fahrradwerkstatt der GHG muss leider aufgrund des unsicheren Wetters nachgeholt werden.

10. August 2016

Rund 1,6 Millionen Euro – über die Verwendung dieser Gelder für Winter- 2016/17 und Sommer 2017 durften die Studierenden der Universität Tübingen entscheiden. Die sogenannten „Qualitätssicherungsmittel“ (QSM) werden vom Land zur Verbesserung der Lehre bereitgestellt. Gemessen am Gesamthaushalt der Universität – rund 508 Mio. Euro (inkl. Klinikum) – ist dies ein geringer Teil, hierüber dürfen die Studierenden jedoch komplett selbst entscheiden.

Um die Vergabe dieser Gelder abwickeln, gründete der Studierendenrat (StuRa) zusammen mit der Fachschaftenvollversammlung (FSVV) einen Arbeitskreis (AK).

Aktive Fachschaften und gute Vorarbeit

Die diesjährige Vergaberunde lief nahezu reibungslos ab. Neue Formulare und Vorgaben erleichterten die Arbeit der studentischen Vertreter*innen in den Studienkommissionen – in welchen die Anträge der Fakultäten, Fachbereiche und Fächer beschlossen wurden – und der Aktiven im AK – welcher die Prüfung der Anträge übernimmt.

Nach der Übergabe der gesammelten und bewilligten Anträge und formaler Zustimmung durch das Rektorat übernimmt die Zentrale Verwaltung der Universität die weitere Vergabe (Abrechnung, Informieren der Antragsteller*innen, usw.). Erfreulich war, dass sich im AK wieder mehr Menschen aus unterschiedlichen Fächer zusammengefunden haben. (vgl. https://www.stura-tuebingen.de/arbeitskreise/ak-qualitaetssicherungsmittel/)

Fehlender Lehrbezug und zu viele Anträge führten zu Streichungen

Auch in diesem Jahr mussten Anträge abgelehnt werden. So beantragten einige Fächer deutlich mehr Geld als für sie verausgabt werden konnte. In einigen Fällen sah der AK den Nutzen für Studierende auch nur unzureichend gegeben.

In allen Fällen kontaktierte man die Antragsteller*innen, um einen entsprechenden Alternativantrag fördern zu können. So wurde gewahrt, dass keine Fakultät aufgrund von abgelehnten Anträgen auf Gelder verzichten muss.

Das meiste Geld bleibt in den Fächern

Rund Dreiviertel der Gelder verbessern die Lehre in den einzelnen Fächern. Die verbleibenden gut 400.000 Euro verbessern beispielsweise das Angebot der Universitätsbibliothek oder des Fachsprachenzentrum. Aber auch kleinere Projekte werden aus diesem Topf gefördert, etwa Fotografiekurse oder ein Topf des StuRa, der daraus antragsbasiert studentische Veranstaltungen und Angebote mit Lehrbezug fördert, welche bisher nicht förderbar waren.

Nicht verausgabte Gelder fließen wie in den vergangenen Jahren der Universitätsbibliothek zu.

(Dieser Text wurde in der Sitzung der FSVV vom 10.10.16 beschlossen und auf das Datum seiner Verfassung zurückdatiert.)

16. Juni 2016

Uni-Wahlen, was ist das?

Am 28. und 29.06. finden die Uni-Wahlen statt. Gewählt werden auf Uni-Ebene der StuRa und der Senat. Der StuRa ist der rechtliche Körper der Studierendenschaft. Er verfügt über einen eigenen Haushalt und kann entsprechend Projekte und Initiativen fördern. Darüberhinaus vergibt er die QSM.
Die Fachschaften-Vollversammlung stellt im StuRa traditionell gemeinsam mit der GHG die Mehrheit. Wir sind als einzige Gruppe basisdemokratisch organisiert. Weil unsere Vertreter*innen an die Entscheidungen der Fachschaften (-Vollversammlung) gebunden sind kann sich jede*r Studierende in seiner Fachschaft an der Entscheidungsfindung beteiligen.

Der Senat ist Teil der akademischen Selbstverwaltung der Uni. Hier geht es darum, euren Fachschaften einen möglichst großen Stimmenanteil zu sichern. Der Senat entscheidet über studienorganisatorsiche Dinge, über die niemand so gut bescheid weis wie eure Fachschaft. Unsere Senatoren sind an die Entscheidung der betreffenden Fachschaft gebunden. Wir sind der Meinung, dass parteipolitische Spielchen in diesen Strukturen nichts verloren haben.

Auf Fakultäts-Ebene findet die Fakultätsratswahl statt. In den meisten Fakultäten tritt nur eine Liste an, die gemeinsame Liste der Fachschaften der Fakultät. Trotzdem ist es wichtig, dass diese Liste gewählt wird, denn der Fakultätsrat ist das zweithöchste Organ der Selbstverwaltung der Uni.

Also:
Geht Wählen! Liste 6, für eine starke, gemeinsame Studienrendenvertretung und starke Fachschaften!

Die Fachschaft bist DU!

(Unser aktueller Wahlflyer)

15. Juni 2016

Aus gegebenem Anlass wurde die folgende Eingabe ans Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst in der Sitzung der FSVV am 13.06.16 beschlossen.

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Unterzeichner dieser Eingabe sehen die Abschaffung der Gymnasiallehrerprüfungsordnung I (kurz: GymPO I) in ihrer derzeitigen Form als hoch problematisch an, da in dem aktuellen Gesetzentwurf des Landes Baden-Württemberg der 31.07.2021 als Stichtag für Prüfungsleistungen festgelegt ist. Nach diesem Tag sollen für Studierende in den GymPO-Studiengängen keine Prüfungen mehr möglich sein, das Studium muss also de facto abgeschlossen sein. Nach diesem Gesetzentwurf ist zwar der Abschluss des Studiums bei schnellem Studium möglich, folgende Fälle werden aber außer Acht gelassen: Studierende, die für ein Semester ins Ausland gehen, um dort wichtige Erfahrungen für ihr späteres Lehramt zu sammeln

  1. Studierende, die Prüfungen wiederholen müssen
  2. Studierende, die zwischenzeitlich erkranken
  3. Studierende, die ein Kind bekommen
  4. Studierende, die aus persönlichen Gründen länger für ihr Studium brauchen, als vom Land
    vorgesehen
  5. Studierende, die ein Drittfach auf Lehramt studieren und also ein deutlich erhöhtes
    Lernpensum haben

Wir sind der Ansicht, dass es nicht Ziel einer Studienordnung sein kann, möglichst viele Härtefälle zu produzieren. Vielmehr sollte eine Studienordnung ein gewinnbringendes Studium ermöglichen.
Dazu gehört auch die Bereitstellung eines ausreichenden zeitlichen Rahmens. Daher bitten wir Sie, sich dafür einzusetzen, dass die Studienordnung GymPO I länger in Kraft bleibt als bis 2021. Wir hoffen im Interesse aller Lehramtsstudierenden auf Ihre tatkräftige Unterstützung, um ein ordentliches Studium zu ermöglichen und verbleiben

Mit freundlichen Grüßen
Ihre Fachschaftenvollversammlung

Der Antrag wurde, ohne Gegenstimmen, bei 3 Enthaltungen und 23 Stimmen dafür, angenommen. Die Eingabe, hier als PDF abrufbar, wurde ans MWK per Brief versandt.

1. Juni 2016

Die rechtskonservative Szene wird nun auch an unserer Hochschule aktiver. Am Mittwoch, den 18. Mai 2016, fanden sich vor den Eingängen des Brechtbaus und der Universitätsbibliothek der Universität Tübingen sowie an verschiedenen Stellen in der Stadt Schmierereien auf dem Boden, deren Aussagen eindeutig rechts zu interpretieren sind. Zu sehen sind an den Standorten jeweils vier Leichenmarkierungen wie man sie an einem Tatort vorfinden würde, welche Schlagworte wie etwa „Deutschland“, „Tradition“, „Identität“ und „Familie“ tragen. Vermutlich möchten die unbekannten Sprayer_innen darauf aufmerksam machen, dass dem, was sie unter dem Begriff „Deutschland“ verstehen, der Tod drohe (à la Sarrazins „Deutschland schafft sich ab“). Es scheint, als wollten die Urheber_innen auf einen von ihnen diagnostizierten Identitätsverlust (wie auch immer diese „Identität“ ausgestaltet sein mag) hinweisen.

Die Fachschaften Vollversammlung an der Universität Tübingen kritisiert diesen „Protest“ und die hinter ihm stehende, reaktionäre Botschaft aufs Schärfste. Das Postulieren von homogenen, vermutlich biologistisch imaginierten Identitätskategorien, die sich an Konstrukten wie Nation oder heteronormativen Beziehungsformen orientiert, lehnen wir entschieden ab. Darüber hinaus erzeugen die genannten Kategorien willkürliche Ausschlüsse und stehen in rassistischer, diskriminierender und sexistischer Tradition. Dass als Ort dieser Polemik die Universitätsbibliothek, die als offener Raum für intellektuellen, interdisziplinären und interkulturellen Austausch steht, gewählt wurde, empfinden wir als besonders geschmacklos, da dadurch Menschen, die nach Meinung der Urheber_innen für den „Tod“der genannten Kategorien verantwortlich seien, zwangsläufig mit dieser Hetze konfrontiert werden und ihnen symbolisch der Zugang zu universitären Bildungsinstitutionen verwehrt werden soll. Die Universität muss jedoch ein angstfreier Raum bleiben, an dem jeder Mensch so sein kann, wie er_sie will. Systematische Ausschlüsse und das Reproduzieren von Ressentiments widerstreben nicht nur unserem Verständnis einer pluralen, individuellen Gesellschaft, sondern stehen auch dem offenen, freien intellektuellen Diskurs entgegen.

Wir appellieren nachdrücklich an die Universitätsleitung und die Stadtverwaltung, sich nicht nur eindeutig zu einer offenen und diskriminierungsfreien Universität bekennen, sondern auch dafür Sorge zu tragen, dass die Schmierereien schnellstmöglich entfernt werden und gegen die Urheber_innen vorgegangen wird. Nur durch eine solch eindeutige Positionierung kann die Universität Tübingen ihrem Credo „innovativ – interdisziplinär – international“ gerecht werden.

ältere Beiträge